Prandegger Ritterspiele

12.7. - 14.7.2013

Dienstagmorgen nach dem Fest. Ich sitze hier und bin immer noch nicht ganz in der Gegenwart angekommen. Ich gebe das gerne und offen zu, weil das ein wirklich gutes Zeichen ist. Es beweist, wie perfekt das Eintauchen ins Mittelalter auf Burg Prandegg gelungen ist.


Aufbauarbeit

René und ich haben uns am Mittwoch schon auf den Weg gemacht. Wir wollten zusätzlich zum normalen Marktbetrieb auch noch ein wenig 'Mittelalter-Camping' betreiben. Ein paar Tage Urlaub, um in aller Ruhe aufzubauen und dann einfach zu genießen. Ursprünglich wollte sich Christian noch anschließen, aber leider wurde er krank und musste kurzfristig absagen.

Nachdem René und ich also die einzigen waren, die so früh schon angereist sind, haben wir auch die gesamte Vereinsausrüstung mitgenommen.

Wir waren also alleine und brauchten dringend Unterstützung. Man kann unser Speichenradzelt und auch das große Sonnensegel nun einmal nicht zu zweit aufstellen. Ganz abgesehen von der restlichen Arbeit, die mit nur vier Händen einen gewaltigen Aufwand darstellt. Zum Glück waren meine Eltern und mein Neffe Alex so lieb uns zu unterstützen. Zu fünf ging es dann recht schnell und ein großer Teil unseres Lagers (Speichenradzelt, Materialzelt, Sonnensegel, Mobiliar) stand nach nur 2 Stunden Aufbauzeit.

Der Boden war – wie der beste Mühlviertler Speck – gut durchzogen. Erde und Granit schön abwechselnd und wir durften bei jedem Hering raten, ob ein Holzhering mit ein paar Schlägen einfach so reingeht oder ob wir an einem massiven Stahlhering eine verbogene Spitze kriegen. Aber letztlich stand alles da, wo wir es haben wollten.

Später hatten wir noch Besuch von Christians Eltern, die uns den Teil unserer Ausrüstung vorbeibrachten, der bei Christian gelagert war.

An alle externen Helfer hier ein ganz, ganz, ganz großes DANKE!!! Ohne euch wäre unsere Teilnahme am Markt nicht möglich gewesen!


Stürmischer Auftakt

Die erste Nacht war stürmisch und gewittrig. Die ganze Nacht lang tobte sich ein Gewitter nach dem anderen über uns aus. Zum Glück sind die Zelte dicht. Lediglich das Sonnensegel hat dann irgendwann dem Wind nicht mehr Stand gehalten und musste teilweise neu aufgebaut werden.

Dafür war der nächste Morgen umso schöner. Es war ganz still da oben, und ein paar Nebelfetzen klammerten sich zwischen den Mauern der Burg fest. Der Nadelwald direkt hinter unserem Lager duftete frisch und kühl und warf die Morgensonne in kleinen Goldmünzen zwischen den Bäumen auf den Boden. Man möge mir die romantische Anwandlung verzeihen, aber ich konnte mir ein breites, glückliches Grinsen einfach nicht verkneifen.

Wir verbrachten den Vormittag mit netten Gesprächen, Handarbeiten, Hilfe für die Organisatoren, mit einem sehr lieben Hund namens Conan und ansonsten in tiefer Zufriedenheit.

Der frühe Nachmittag brachte dann Antje und Willi und eine weitere, kleine Aufbau-Session, um deren Zelt und die Feuerstelle aufzubauen. Gemeinsames Abendessen, zusammensitzen, reden, sich freuen. Allerdings war es an diesem Abend und in dieser Nacht ziemlich kalt, weshalb ich es nicht sonderlich lang ausgehalten habe und früh ins Bett gegangen bin.


Der erste Markttag

Freitag und erster Tag des Mittelaltermarkts. Ein sehr gemütliches Frühstück samt Marmelade von Vanessa, die auf diesem Markt sowieso der reine Versorgungs-Luxus-Engel war.  Wo wird man schon am Vorabend gefragt, ob man frisches Gebäck zum Frühstück möchte?

Dann: Erst noch warten auf Michael und Patrick und das letzte Zelt. Und dann nur noch warten auf Patrick. Rasches, schon recht marktnahes Aufbauen des letzten Zeltes. Und weiter auf Patrick warten. Der arme Kerl ging durch diverse Verspätungen der öffentlichen Verkehrsmittel mitten im Mühlviertel verloren und wanderte dann samt Gepäck von Gutau (!!!) bis hinauf zur Ruine Prandegg!! DAS ist Hingabe zum Hobby…

Der Freitagnachmittag war noch recht ruhig. Die Besucherzahlen hielten sich in Grenzen, wenn es auch gegen Abend schon deutlich belebter wurde. Ich und René haben uns noch bei der, von Vanessa wunderbar moderierten, Modenschau bewundern lassen und dann kochten wir – ganz A - Mangoldgemüse und Grießschmarrn mit Kräutern und genossen das wärmere Wetter am Abend. Antje und Willi übernahmen eine Stunde Marktwache von 11 bis 12 Uhr und haben in den Lagern von so manchem Getränk gekostet… NUR gekostet!


Ein Mittelaltermarkt zum Geldausgeben

"Sie ist da!" wurde mir gesagt, auf dem Weg zum Frühstück. Der Samstagmorgen brachte nämlich die heiß ersehnte Händlerin mit den Holzschuhen. Etwas, das ich mir schon lange zulegen wollte. Holzschuhe sind einfach die ultimative Fußbekleidung, wenn es auf dem Markt matschig-regnerisch ist und man, aus Darstellungs-Gründen, keine Trippen über den feinen Lederschuhen tragen kann. Außerdem sind Holzschuhe fürs Kochen und andere Lagerarbeiten in einer einfachen Darstellung perfekt.

Also hin und sofort ein Paar gekauft. Willi hat es mir da gleich getan und sich auch ein Paar zugelegt. Und wir waren nicht die einzigen Käufer. Die arme Frau ist nicht mal dazu gekommen, ihren Stand fertig aufzubauen.

Und dann ging es auch schon nahtlos weiter mit dem Einkaufen. Endlich ein Schaukampf-Beil für René und ein lagertaugliches, historisch passendes und vor Allem sehr scharfes Küchenmesser für mich. Hach, Geld ausgeben…

Es gab überhaupt einige sehr gute Händler bei den Prandegger Ritterspielen. Antje hat sich mehrere Setzlinge von seltenen Kräutern für ihren Garten zugelegt und es gab auch einen Stand mit schönen Holzschüsseln und –löffeln. Und einen mit verschiedenen Kräuteressenzen und –zubereitungen. Außerdem natürlich … mein geliebtes Rum-Rosinen-Karamell von Isis Spezereyen, das Isi ganz sicher nur mitgebracht hat, um mich noch süchtiger zu machen.


Eine Burg der Handwerker

Wenn man eine Ruine wie Prandegg zur Verfügung hat, bietet es sich an, den Markt sozusagen in die Burg hinein wachsen zu lassen. In diesem Fall hatten sich die Handwerker in den Mauern der Burg niedergelassen. Den Anfang am Fuß der Treppe haben Sebastian und Vanessa von Sectio Artificerum gemacht, mit Teppichknüpfen und Drechseln. Und dann, auf der ganzen Länge der wirklich großen Ruine, fanden sich in den Räumen Bronzegießer, Schmied, Lederer. Einfach nur spazieren zu gehen, sich zu unterhalten, Informationen auszutauschen… für Leute wie uns ist das pures Vergnügen. Auch wenn mir Josef der Bronzegießer leider nicht helfen konnte, meine Scheibenfibel (Emaille auf Kupfer) zu reparieren. Die Kupfernadel ist zu weich und verbiegt sich ständig. Aber hätte er versucht, eine stärkere Bronzenadel auf die Fibel zu löten, wäre wahrscheinlich das schöne Emaille auf der Vorderseite durch die Hitze gerissen. Nun ja, es wird sich schon eine Lösung finden. Dafür durfte ich aber bei Vanessa das Teppichknüpfen ausprobieren und ich glaub, ich hab am Teppich für Rashid von den Spielbergern zumindest nichts kaputt gemacht.


Viel Platz für Unterhaltung

Programm gab's auch eine ganze Menge. Umzug von der Burg herunter, Schaukämpfe von den Milites Templi Spielberg und den Prellhawern, Schaukochen mit Martl von den Civium Anasi, ein wirklich schönes, kleines Puppentheater, Ritterkunde, Musik, die oben schon erwähnte Modenschau und … unsere Gerichtsverhandlung.

Es lief gut, behaupte ich. Das Schöne war nämlich auch, dass wir dieses Mal eine tolle Akustik hatten. Eine richtige Bühne und arenaartige nach oben gestaffelte Terrassen zum Sitzen helfen da enorm. Nachdem unser Lager am oberen Ende der Terrassen war, konnte ich sogar während der Lagerwache gut mithören. Natürlich hat man gemerkt, dass viele Sprecher keine Schauspieler waren, aber alle haben sich bemüht und es hat wieder großen Spaß gemacht. Zum ersten Mal haben wir Szenen eingefroren und von einer Sprecherin (in diesem Fall Antje) Einzelheiten der Fälle erklären lassen. Dabei wurde das Einfrieren von einem Trommelschlag eingeleitet und auch Antje während des Sprechens von einem sehr leisen, weichen Trommeln begleitet – ein wirklich schöner Effekt, der einen deutlichen Einschnitt in der Szene gesetzt hat. Das hat also gut funktioniert und ich denke, wir werden es beibehalten.

Aus Rattenberg haben wir das Prinzip der fertigen Drehbücher übernommen. Wir spielen Vieles immer noch aus dem Stehgreif, aber ein paar Vorlagen sind trotzdem sehr nützlich, gerade auch zur Vorbereitung für die einzelnen Darsteller.

An dieser Stelle möchten wir uns – nach alter und ehrenvoller Tradition – bei allen ganz herzlich bedanken, die uns geholfen und mitgespielt haben. Diesmal waren das Mitglieder von:

  • Milites Templi Spielberg (Jogi als der Falschspieler am Samstag)
  • Civium Anasi (Alex als der Bauer, Markus als Zeuge des Reiters und als Trommler)
  • Sectio Artificerum (Sebastian als der Baumeister)
  • Die Prellhawer (Christopher und Kurt als die Zeugen des Bauern)
  • Die Feuermatrix (Franz als der Brückenbauer)
  • Narrengold (Bernhard als Trommler)

Von Via Nostra haben mitgewirkt: René als Richter, Stefan, Michael und (am Samstag) Julian als Gerichtswachen, Patrick als Hausbesitzer mit zu hoch gelegener Eingangstür und natürlich – wie erwähnt – Antje als Sprecherin.

Eine besondere Erwähnung haben Julian und Sebastian von Spiritus Victrix verdient, die nicht nur als streitende Ritter bei zwei Fällen dabei waren, sondern beim anschließenden Gottesurteil ihren ersten Auftritt als Schaukämpfer hatten.


Fast-Schauzelte

Unsere Zelte auf dem Mittelalterfest in Prandegg (Foto: René Schwab)
Unsere Zelte, auf dem Mittelalterfest in Prandegg zum ersten Mal für die Besucher offen.

Und noch eine kleine Premiere gab es auf diesem Markt: Wir konnten zwei Zelte (das von Antje und Willi und das von René und mir) offen lassen. Noch sind es keine richtigen Schauzelte aber wir haben mittels Vorhängen eine Art 'Backstagebereich' im Zelt geschaffen und davor einzelne Stücke unserer Ausrüstung präsentiert. Unsere Kuhfelle (oder auch liebevoll 'Teppichkühe' genannt – wir haben nämlich auch 'Sitzschafe' und 'Schlafschafe') haben dabei einen schönen, ambientetauglichen Untergrund gebildet.

Auf diese Art konnten wir etwas Luft in unsere Zelte lassen, mussten nicht ständig darauf achten, alles wieder zuzumachen und konnten den Besuchern gleichzeitig schöne Fotomotive liefern.


Besucherandrang

Besucher gab es übrigens massenhaft an diesem Wochenende. Man würde das bei einem so kleinen Markt, der noch dazu zum ersten Mal stattfindet, gar nicht erwarten. Aber es waren WIRKLICH viele Leute da. Wir waren wieder einmal einen großen Teil der Zeit damit beschäftigt, Einzelheiten zu uns und unserer Ausrüstung zu erklären und Handwerk näher zu bringen.

Von den regulären Besuchern abgesehen, hatten wir am Samstag dann auch eine Menge Besucher aus dem eigenen Verein und von unseren Familien. Unser Lager war die meiste Zeit sehr voll.

Außer – natürlich! – in dem Moment als der Burgerhaltungsverein samt Bürgermeister vor unserem Lager gestanden hat und ich ganz alleine da war. Ich hab mich bemüht, uns gut zu vertreten und zu erklären, was wir genau machen. Ich glaube, man war recht angetan, auch wenn ich keine Zeit hatte, irgendwas Offizielles vorzubereiten.


Highlight von Feuermatrix

Abends dann eine wirklich schöne Feuershow. Die grandiose Burgruine wurde dabei höchst dramatisch und effektvoll mit eingebunden, mit Feuerspucker und Teil der Feuershow auf der Mauer vor dem Turm. Wenn es ganz dunkel ist und dann plötzlich eine Feuerwolke Teile des Turms und der Mauer erhellt, der Feuerspucker nur eine kurze Silhouette gegen die alten Steine ist… ein magischer Moment.

Der Hauptteil der Show fand dann unten vor der Bühne statt und war ebenso schön anzuschauen. Glückwunsch an die Feuermatrix für diese sehenswerte Inszenierung.


Trockenzeit

Am Sonntag gab es dann vor Allem einmal noch mehr Besucher. Und Wassermangel. Leider war der Brunnen der Taverne, der die gesamte Trinkwasserversorgung liefert, über den sehr belebten Samstag hinweg trocken gefallen und musste von der Feuerwehr mit Trinkwasser aufgefüllt werden. Eine Sache, die nicht vorhersehbar war und die auch wieder einmal zeigt, wie viele Risiken ein Veranstalter trägt. Irgendwas ist immer und man kann dann nur versuchen, die Probleme so rasch und effektiv wie möglich zu lösen.


*****-Markt

Ein Teil des Problems war dabei sicher ein Luxus, den man bei einem Fest nicht so schnell findet: eine Dusche für die Darsteller. Und das war nicht das einzige Zuckerl für uns Lagerleute. Martl von den Civium Anasi hat nämlich am Samstag und Sonntag für uns gekocht und es gab an diesen Tagen auch Frühstück für alle. Eine vorbildliche Rundherum-Betreuung. Und die Toiletten waren auch immer ordentlich und sauber – ein Punkt, der nicht wichtig erscheinen mag, der aber enorm zum Wohlbefinden auf so einem Markt beiträgt. Wer schon einmal versucht hat in Mittelaltergewandung ein verdrecktes Dixi-Klo zu benutzen, weiß, was ich meine.


Abbau

Und dann wars vorbei. Abbauen. Für mich gab es dabei einen Extrem-Crashkurs im Mit-Anhänger-Fahren, als wir zum Einladen über die enge Zufahrtsstraße und quer über das Gelände zu unserem Lagerplatz fahren mussten. Aber letztlich hat alles funktioniert. Wieder ein Markt vorbei und diesmal war die Wehmut besonders groß, weil es so schön war.


Fazit

Ein Fazit zu diesem Markt? Nur ein Wort: Perfekt.

Das Wetter war warm und trocken (abgesehen vom Gewitter) ohne zu heiß zu sein. Der Lagerplatz war – unserer Meinung nach – der Schönste von allen. Aber das hat auf diesem Gelände wahrscheinlich jede Lagergruppe behauptet.

Mir persönlich hat auch besonders gut gefallen, dass das Gelände NICHT so groß war. Es war eine überschaubare Fläche, die aber gut genutzt wurde  und so einen sehr familiären Markt geboten hat. Man hatte nirgendwo hin weit zu gehen und wenn man mal jemanden gebraucht hat, war der auch recht schnell gefunden. Letzteres ist gerade für uns wichtig, weil René und seine Helfer ja ständig auf den Beinen sind, um Leute wegen der Gerichtsverhandlungen zu organisieren, zu informieren, mit ihnen zu proben, sie rechtzeitig zusammen zu rufen, etc. Da hilft es, wenn keine so langen Strecken zurück zu legen sind.

Burgruine Prandegg (Foto: René Schwab)
Burgruine Prandegg, der Star der Prandegger Ritterspiele

Die Organisatoren von den Milites Templi Spielberg waren sehr engagiert, immer da, immer freundlich, immer bemüht, wenn es auch ein paar kleine Pannen und Informationslöcher gegeben hat.

Die Atmosphäre unter den Lagergruppen und Darstellern war überhaupt sehr schön. Familiär eben.

Der große Star des Marktes war auf jeden Fall Burg Prandegg selbst. Was für ein grandioses Ambiente. Auch weil sie so wunderbar nah gewesen ist. Sie war die ganze Zeit eng in das Fest mit eingebunden und war uns schnell vertraut. Ein Star zum Anfassen, sozusagen.

Ich kann nur sagen: schade, dass es erst in zwei Jahren wieder ein Fest auf Prandegg geben wird. Könnten wir nicht schon nächstes Jahr wieder eines haben? Oder … nächste Woche ... oder so? Bitte?


Christa Schwab, 16.7.2013


Weiterführende Links

Milites Templi Spilberg
Civium Anasi
Feuermatrix
Narrengold
Die Prellhawer
Sectio Artificerum auf Facebook
Spiritus Victrix

 

Borte (Seitenabschluß)