Wir wären so schön gewesen!

Fest der fünfblättrigen Rose in Krumau (Český Krumlov)

20.6. - 22.6.2014

Wir, das waren Vanessa und Sebastian von Sectio Artificerum und Antje, Willi, René und ich.

Wir, das waren sechs Besucher in Krumau und in der Renaissance.

Am vergangen Wochenende fand in Krumau nämlich das 'Fest der fünfblättrigen Rose' statt, das sich ganz der Renaissance widmet.

Diese, für uns unübliche Zeitreise, hat dann auch dazu geführt, dass wir auf Gewandung verzichtet haben. Schließlich möchte man das Thema eines Festes ja auch respektieren. Unsere Zurückhaltung wäre aber nicht notwendig gewesen. Man hat auch Besucher aus anderen Zeiten gefunden, wenn die Renaissance auch deutlich das Hauptgewicht ausgemacht hat. Und wir haben bedauert, dass wir nicht gewandet dort waren. Denn wir wären sooo schön gewesen! 

In diesem Zusammenhang gab es - vor Allem von uns drei Frauen - auch das deutliche Verlangen, doch noch zusätzlich Renaissance-Reenactment mit ins Darsteller-Repertoire aufzunehmen. Denn die Gewandungen in Krumau waren viel zu oft umwerfend schön. Keine von uns ist eine Renaissance-Expertin aber Alles in Allem konnten wir schon beurteilen, dass das Niveau fast durchwegs hoch war. Ja, viel zu schön waren sie, diese wunderbaren Kleider aus Samt (Ich will Samt tragen dürfen!) und Seide und Spitzen und Goldborten und ... hach diese kunstvollen Hauben und Hüte ...


Český Krumlov

Aber ich schweife ab ... zurück zur Stadt. Krumau ist eine Reise wert. Ich denke, das dürften ohnehin viele wissen, die hier in der Nähe wohnen. Schließlich ist die Grenze ja nicht so weit entfernt und Krumau ist bekannt für seinen sehenswerten, historischen Stadtkern und das dazugehörige Schloss. Und die Stadt ist UNESCO-Weltkulturerbe!

Ein paar der sehenswerten Fassaden, die das Stadtbild von Krumau prägen
Ein paar der sehenswerten Fassaden, die das Stadtbild von Krumau prägen.
(c) Vanessa Smid, Sectio Artificerum

Eine Tanzgruppe in einem der wunderschönen Höfe in Krumau
Eine Tanzgruppe in einem der wunderschönen Höfe in Krumau.
(c) Vanessa Smid, Sectio Artificerum

Wir waren schon früh da und konnten uns gemütlich durch die Straßen und über die Plätze treiben lassen. Wir haben Kaffee getrunken und die ersten Fotos gemacht.

Da wir alle kein Tschechisch können, hatten wir kein Programm und haben auf unser Glück vertraut. Ich weiß natürlich nicht, welche Programmpunkte wir dabei verpasst haben, aber die, die wir erwischen haben, waren schön.

In einem Hof haben wir zum Beispiel einer Gruppe von Tänzern zugesehen, die Vanessa so oft fotografiert hat, dass wir wahrscheinlich ein Daumenkino draus machen könnten ...


Hohes Niveau

Vom Niveau der Gewandungen habe ich ja schon (ganz dezent) geschwärmt, aber auch der Markt vor dem Schloss hat Schwärmerei verdient. Wie auch auf den hiesigen Märkten hatten nur wenige Waren tatsächlich einen historischen Bezug, aber es war sehr viel von wirklich guter Qualität. Hierzulande haben tschechische Händler ja oft genug einen eher schlechten Ruf. Aber die, die wir dort gesehen haben, haben den ganz sicher nicht verdient. Auch ganz ohne Bezug zum Hobby hätte ich dort sehr viel Geld lassen können.

Und ... Sartor war da. Ja, genau. Jener Tuchhändler, der historische Stoffe anbietet. Und zwar nicht irgendwelche, sondern Seiden, Brokate, Damaste und ähnlichen, edelsten Stoff.

Ob es moralisch verwerflich ist, sich in aller Öffentlichkeit auf einem Marktstand in Stoff wälzen zu wollen?

Wir haben auch dort nichts gekauft. Ehrlich. Vorläufig.

Stattdessen haben wir die Burg erkundet. Das war eine notwendige Ablenkung, sonst wären wir der Versuchung womöglich doch noch erlegen.

Die Keller der Burg waren einer Kunstausstellung gewidmet, die uns einige Fragezeichen gekostet hat. (Was wollte uns der Künstler damit sagen?) Die Räume selbst allerdings waren beeindruckend. Keiner von uns hätte solche ausgedehnten und hohen Gewölbe unter der Burg vermutet. Laut der Infotafel zu diesen Gewölben wurden sie ursprünglich als Lebensmittellager und Weinkeller verwendet. Leider gab es zu den Räumen keine weiterführende Literatur. Zumindest dort, wo wir nachgefragt haben, war nichts zu bekommen.

Langes Warten auf dann sehr guten Fisch.

Blick auf die Krumauer Burg
Blick auf die Krumauer Burg.
(c) Vanessa Smid, Sectio Artificerum

Und dann der Umzug. Auch hier war es mehr Glück als alles andere, dass wir gerade den Anfang erwischt haben und den ganzen, wirklich beeindruckenden Aufmarsch miterlebt haben.

Auch hier: fast durchwegs hohes Niveau. Viele Reiter, einmal sogar samt Falke bzw. Adler auf der Faust. Und eine Sänfte mit einer edlen Dame, getragen von acht Männern. Durchsage an unsere Vereins-Männer: Sowas will ich auch! DAS ist ein Auftritt mit Stil. Ich verspreche auch, bis dahin noch ein oder zwei Kilo abzunehmen!

Als Abschluss noch ein unvermeidlicher Baumkuchen. Und dann war es schon später Nachmittag und wir haben uns schön langsam auf den Weg Richtung Parkplatz und Gegenwart gemacht.

An dieser Stelle noch einmal ein ganz dickes DANKE an Vanessa fürs Fahren!

Und überhaupt an alle ein großes Danke und eine noch größere Umarmung für einen wunderschönen, gemütlichen, lehrreichen Tag!

Das müssen wir dringend wiederholen. Nur ... das nächste Mal in Gewandung.

Wir wären so schön gewesen!


Christa Schwab, 23.6.2014

 

Borte (Seitenabschluß)