Mittelalterfest auf dem Georgenberg in Enns

1.8. - 3.8.2014


Heiß

Es war heiß in Enns.

Wie schon die gesamten letzten Wochen war das Wetter als unbeständig gemeldet, immer wieder haben wir Vorhersagen mit Gewittern oder sogar längeren Regenschauern gelesen. Und wie immer vor einem Markt haben wir einfach nur gehofft, dass es wenigstens trocken bleibt.

Und wie trocken es war! Und HEISS.

Angeblich waren es nur 28 Grad aber es hat sich angefühlt wie mindestens 38.

Und sonst? Ja, natürlich gab es auch sonst Eindrücke!


Lagerplatz mit Ast

Zunächst einmal den eines wirklich großen Lagers. Wir haben sechs Zelte, drei Sitzgarnituren und zwei Sonnensegel aufgebaut um 12 Leute unterzubringen. Ein großer Teil des Vereins hat teilgenommen und wir hatten mit Peter und Ingmar zwei Anwärter und mit Caro von den Burgaere Lintze einen Lagergast dabei. Außerdem als Spezial-Gast meinen und Renés Neffen Alex, der mit seinen 14 Jahren leider noch zu jung ist um fix mitzumachen, aber es an Begeisterung mit jedem älteren aufnehmen kann.

Trotz der Größe des Lagers haben wir es am Freitag in etwa drei Stunden geschafft, das Lager aufzustellen. Und nicht nur die Menge der Zelte war eine Herausforderung … nein, da war auch noch ein Ast. Der einer Ulme, um genau zu sein.

Was macht man also mit einem Ast, der mitten in die Lagerfläche ragt und dadurch den ohnehin schon knapp bemessenen Platz noch knapper macht?

Absägen, würde man meinen. Julian hat sich sogar angeboten auf den Baum zu klettern und das lästige Stück Natur fachgerecht zu entfernen.

Nun ist es aber leider so, dass die Bäume im Park naturgeschützt sind und nicht einmal von einem Holz-Chirurgen wie Julian irgendwie angekratzt werden dürfen.

Wir haben also ein Seil genommen, das verdammte Ding so gut wie möglich nach unten gebogen und festgebunden … und die ganze Zeit gehofft, dass das Seil nicht nachgibt. Sonst wäre mein und Renés Zelt in einer eleganten Geste der Vegetations-Rache weggefegt worden.

Es hat gehalten.


Engelschöre

Das Lager stand also Freitag Mittag. Und es war heiß und wir waren völlig kaputt. Ich glaube, wir haben alle fast schon Engelschöre gehört, als Antje ihre fertig belegten Semmeln auf den Tisch gestellt hat – von ihr und Willi noch am selben Morgen liebevoll vorbereitet.

Essen, ausruhen, wenigstens ein bisschen herunter kühlen.


Abtauchen ins MIttelalter

Um 19.00 Uhr war offizieller Marktbeginn. Als aber das Gelände um uns herum über den Nachmittag langsam von der Gegenwart in die Vergangenheit geglitten ist, haben auch wir uns nicht mehr gewehrt und sind so langsam in unsere Rollen geschlüpft. Einer nach dem anderen ist im Zelt verschwunden und 840 Jahre früher wieder aufgetaucht.

Die Abende und Nächte im Lager haben ihren ganz eigenen Reiz
Die Abende und Nächte im Lager haben ihren ganz eigenen Reiz.

Ein wenig Klimatisieren, ein wenig Vorbereitung für die Gerichtsverhandlung und eine wunderbare Gemüse-Fleisch-Suppe von Antje später war es auch schon dunkel. Wenn die Feuer, Laternen und Fackeln aufleuchten, beginnt ein besonderer Teil jedes Markttages.

An diesem Abend waren Sebastian und Vanessa auf einen gemütlichen, unterhaltsamen Besuch bei uns. Und ich bin immer wieder fasziniert von Vanessas wunderschön gesteckter Haube in drei Schichten. Das sind die einzigen Momente, wo ich daran denke, vielleicht doch irgendwann mal einen Ausflug in spätere Jahrhunderte zu machen. Die Kopfbedeckungen werden immer genialer.


Hölzerne Rettung

Und jetzt hätte ich fast vergessen zu erwähnen, dass wir Nachbarn hatten. Nämlich die drei von den Fideles Spilberg. Martin, Doris und Jogi sind am Nachmittag nebenan eingezogen. Und das war sehr gut so, weil Antje und ich im Laufe des Nachmittags nämlich eine Holz-Krise bekommen haben.

Ja, schon wieder Holz. Diesmal totes. Es hätte in Scheiten da sein sollen. Es war in halben Bäumen da. Noch dazu in halben Bäumen, die so geschnitten worden sind, dass man sie kaum zu Scheiten verarbeiten konnte. Und es war feucht.

Und damit so dermaßen ungeeignet, um irgendwas länger darüber zu kochen, dass wir ernsthaft darüber nachgedacht haben, die mitgebrachten Zutaten für das große Samstags-Essen wieder mit nach Hause zu nehmen.

Die Suppe für Freitag Abend hatte Antje bereits fertig mitgebracht, gewärmt musste sie aber trotzdem werden. Ganz kurzfristig war eine Freundin von ihr so lieb und hat uns einige Scheite Holz vom Baumarkt mitgebracht, so dass unsere Leute doch noch was Warmes in den Magen bekommen haben. Für das Samstagsessen hätte das aber natürlich bei Weitem nicht ausgereicht. Das Essen (das inkl. Nachspeise mind. 5 Stunden Kochzeit braucht) wäre mit dem vorhandenen Holz nicht zu machen gewesen.

Zum Glück haben wir die drei Spilberger eine Woche vorher schon zum Essen eingeladen. Und daher haben wir uns getraut zu fragen, ob man von der Seite noch irgendwie an Holz kommen könnte. Jogi hat dann das Essen mit einer größeren Holzlieferung gerettet. Ein großes Danke dafür!


Experimentalmusik

Die gegenseitige Sympathie hat dann auch dazu beigetragen, dass wir am Samstag Morgen einer zerknirschten Doris, als Vertreterin der Nachbarn, das Konzert von Freitag Nacht nicht übel genommen haben. Es war lang und laut und musikalisch höchst … experimentell. Ich bin sicher, da wurden Töne erfunden, die es vorher noch nicht gegeben hat.

Doris und ich haben uns inzwischen vorgenommen, im September auf der Prandegg gemeinsam zu singen. Da kann ich sicher noch was lernen *FG*


Samstag

Auf dem Weg in die Stadt beim Umzug am Samstagmorgen
Auf dem Weg in die Stadt beim Umzug am Samstagmorgen.
(c) Thomas Ortner

Vorführung mittelalterlicher Handarbeiten
Vorführung mittelalterlicher Handarbeiten: Der Reiter, an dem Christa in historischer Technik stickt.

Samstag war heiß – ja, ehrlich!

Der obligatorische Umzug war … nun, eben obligatorisch und wir waren gegen zehn wieder im Lager. Ich habe mich aber sehr über unseren großen Verein gefreut, der auf den Fotos, die wir inzwischen gesehen haben, ein wirklich gutes Bild macht.

Der Rest des Tages war mit Aktivität für uns alle gefüllt. Gerichtsverhandlung, Handwerksdarstellung, Kochen – das wären so die Hauptpunkte.

Peter hat mit seiner Sarwürker-Darstellung Eindruck gemacht und ziemlich viele Leute an unser Lager gelockt. Man hat gemerkt, dass er in seiner Eigenschaft als Museums-Führer auf Burg Clam gelernt hat, mit Leuten umzugehen. Und Alex hat sich als sein Gehilfe ebenfalls sehr gut gemacht.

Antje und ich haben uns beim Spinnen und Sticken unterhalten und wie üblich kommen dabei die besten Gespräche zustande.

Der tapfere Alex hatte dann auch noch seinen ersten Auftritt bei der Gerichtsverhandlung, als Knappe des Richters, Herrn Reinhard von Wilenstein. Und wie souverän er das Schwert voran getragen und seinem Herrn Wein eingeschenkt hat. Man hätte nicht geglaubt, dass er das zum ersten Mal gemacht hat. Ich war und bin sehr stolz auf ihn!


Gerichtsverhandlung

Wir haben für dieses Wochenende für unsere Gerichtsfälle wieder auf das Ennser Stadtrecht zurück gegriffen.

Zunächst durfte sich Bianca als aufmüpfige Jungfer Agnes wieder gegen eine ungewollte Heirat wehren. Mit Unterstützung von Antje als ihre etwas überforderte Mutter und Martin von den Spilbergern als beschwichtigender Vormund – den Gegenpart des würdevollen und etwas hinterhältigen Grafen hat diesmal Peter übernommen.

Als zweiten Fall hat sich ein empörter Salzhändler in der Form von Sebastian ein höchst amüsantes Streitgepräch mit dem Richter geliefert. Der Stapelzwang zwingt ihn in Enns bleiben, wo doch ganz Wien auf sein Salz wartet!

Im dritten Fall hat Franz Wieser von der Feuermatrix wieder einmal eine illegale Brücke gebaut. Diesmal lässt der Richter sie aber nicht abbrennen, sondern konfisziert sie kurzerhand für die Stadt.

Der vierte Fall drehte sich dann auch dieses Jahr wieder um den Stadtfrieden. Der wird wegen gestohlener Kühe von zwei herrlich pöbelnden und raufenden Gruppen - dem Björnvolk und dem Söldnertross - gebrochen. Es kommt zum Gottesurteil durch Zweikampf und eine letztlich friedliche Lösung ohne Blutvergießen. Die Kämpfer für den Zweikampf kamen dieses Mal von den Lagerfüchsen.

Und nicht zu vergessen: die tapfere Gerichtswachen! Es ist alleine schon eine Leistung, bei dieser Hitze in voller Rüstung und in der prallen Sonne auszuhalten. Und noch einmal eine, die handgreiflichen Stadtfriedensbrecher zu trennen und in Schach zu halten.

Ingmar, Julian und Christian haben sich durch keine Widrigkeiten von ihrer Pflicht abhalten lassen und haben das Gesetz erfolgreich geschützt und der Verhandlung einen würdigen Rahmen gegeben.

Vielen Dank an alle, die mitgemacht haben! Ihr wart großartig!

Antje und Doris beim Ausbacken der Holzfällernocken
Antje und Doris beim Ausbacken der Holzfällernocken.


Großes Essen

Am Abend hatten wir also doch noch gutes, totes Holz. (Und angesichts des ASTES ist mir nach einem politisch unkorrekten 'Nur totes Holz ist gutes Holz!')

Jedenfalls hat unser neues Holz dann auch das benötigte Feuer gegeben, um für 15 Personen Weinsteinkraut zu kochen. Ein sehr altes Rezept aus der mütterlichen Seite meiner Familie bestehen aus Rindfleisch, Schweinefleisch, Weißkraut und Gewürzen, die liebevoll in einen Kessel geschichtet werden. Alles schön langsam und mit Geduld gekocht, von Zeit zu Zeit behutsam mit frischem Wasser verwöhnt und zärtlich mit einer Gabel auf den Garzustand getestet.

Ich glaube, es hat allen geschmeckt.

Der süße Abschluss kam dann wieder von Antje, mit tatkräftiger Unterstützung durch Doris. Es gab Holzfällernocken – ein Topfenteig, der in Butterschmalz gebacken wird. In unserem Fall dann mit einem Obers-Apfelmus serviert. Ich sage nur: Julian musste man danach gewaltsam von der Schüssel trennen. Und ich glaube, die anderen waren bloß ein KLEINES bisschen manierlicher.

Der Samstag Abend brachte dann Vanessa mit kaputten Füßen und Sebastian mit totaler Erschöpfung. Ich hoffe, wir konnten beides ein wenig lindern. Der Rest des Abends war das, was ich an diesen Abenden so mag: keine Handies, kein Fernseher, dafür viel Reden und sich austauschen und dann irgendwann totmüde ins Bett kippen.


Große Geschäfte

Und dann … bin ich zu dem Schluss gekommen, dass ich doch eine große Vorliebe und Wertschätzung für lebendes Holz habe – vor Allem in Form von Wald. Das ging wohl nicht nur mir so, denn die Toiletten waren leider mit Samstag Abend nicht mehr zu benützen.

Schon gar nicht für Leute in Gewandung, die mehrere Lagen Röcke tragen, Beinlinge abnesteln müssen oder sogar noch einen Mantel irgendwie zu jonglieren haben.

Der Wald ist dein Freund! So, jetzt hab ichs gesagt und gelobe Besserung!


Sonntag

Auch der Sonntag hat uns mit gnadenloser Hitze begrüßt.

Zum Glück hat uns Vanessa gleich in der Früh zur Dusche mitgenommen. Sie hat eine kleine Herde verschwitzter Mittelalter-Darstellern in die örtlichen Schule getrieben, damit sie die dortigen Duschen anbeten konnten. Danach wars zwar immernoch heiß draußen und man war nach einer halben Stunde Gewandung schon wieder genauso verschwitzt wie vorher aber wenigstens war da kurzzeitig die süße Illusion von Sauberkeit.

 Wir vor unserem Lager
Wir waren eine große Gruppe, die in Enns gelagert hat.

Wir haben die relative Morgenkühle (sprich: wir sind in der Sonne noch nicht sofort umgekippt) dann noch dazu genutzt, endlich einmal ein paar Vereinsfotos zu machen. Valentin, der uns schon die ganze Zeit mit der Kamera begleitet hat, hat Gruppen- und Portraitfotos von uns gemacht, die vor Allem für diese Homepage bestimmt sind. Wir hatten bisher nur Gelegenheit, die große Menge an Bildern zu überfliegen, aber was ich bisher gesehen habe, ist sehr schön geworden. Wir können stolz auf uns sein.

Dann endlich eine Marktrunde mit René – ermöglicht durch Peter, der so lieb war, einen Teil von Renés Lagerwache zu übernehmen, damit wir die Gelegenheiten hatten, auch mal zu zweit über den Markt zu gehen. Eigentlich hat sich gegenüber dem Markt vor zwei Jahren kaum was verändert. Was durchaus auch positiv sein kann, weil Isi mich wieder mit meiner ganz persönlichen Droge – ihren Rum-Rosinen-Karamellen – versorgen konnte.


Gute Laune - egal was passiert

Aber apropos Lagerwache: auch die hat wieder einwandfrei funktioniert. Inklusive der üblichen Einsätze um die Leute daran zu hindern, hinter unsere Zelte zu pinkeln oder quer durchs Lager zu laufen.

Das ist sowieso etwas, das ich für diesen Markt anmerken möchte: Es gab so einige Widrigkeiten und trotzdem war die Laune hervorragend!

Und mit derselben guten Laune wurden auch alle Aufgaben und Arbeiten erledigt, die angefallen sind. Egal wie heiß es war und egal wie wenig man wahrscheinlich Lust dazu hatte.

Ich möchte mich hier bei unseren Leuten ganz explizit für ihren Einsatz und ihre Disziplin bedanken! Ein so großes Lager kann ohne die Einhaltung der Regeln und ohne Zusammenarbeit ganz schnell im Chaos versinken.

Auch beim Abbauen waren wir wirklich gut in der Zeit. Nach einem Marktschluss um 16.00 Uhr war zwei Stunden später alles eingepackt. Das drohende Gewitter hat da sicher zusätzlich noch einmal angeschoben, wobei es dann bei drohend geblieben ist. Wir konnten also trocken abbauen, trocken nach Hause fahren und auch trocken einräumen. Das Lager war nach knappen 20 Minuten wieder komplett. Noch ein Rekord, bei dem vielen Material.


Fazit

Was bleibt also als Fazit: Großes, schönes Lager + gute Laune + liebe Leute = Ein schönes Wochenende im Mittelalter.


Christa Schwab, 6.8.2014


Weiterführende Links

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Björnfolk
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Die Lagerfüchse
Civium Anasi
Feuermatrix

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