Via Nostra
Was genau macht ihr eigentlich?
Für alle, die sich so gar nicht vorstellen können, was wir da denn eigentlich machen, hier eine Beschreibung zum Mittelalter-Reenactment.
Wer seid ihr?
Ein recht bunt zusammen gewürfelter Haufen. Wir sind sehr unterschiedliche Wege zu unserem Hobby gegangen. Manche über Studium oder Beruf, andere über verwandte Hobbies wie Rollenspiel oder Fantasyliteratur, wieder andere einfach über den Freundeskreis. Dass wir uns gefunden haben, ist zum Teil Zufall, unterstützt von ein wenig aktiver Suche nach Gleichgesinnten.
Via Nostra - Unser Weg - drückt aus, dass wir unser Hobby zu einer Gemeinsamkeit machen möchten. Die Geschichte unseres Vereins ist (noch) recht kurz. Im Jahr 2005 sind da ein paar Leute, die sich treffen und Interessen teilen. Dann die Erkenntnis, dass eine fixe Gruppe sehr hilfreich wäre, und schließlich der Schritt, das alles offiziell zu machen. Den Verein Via Nostra gibt es seit 24.04.2007 auch auf dem Papier. Wie das eben des Öfteren so ist, hat die Besetzung des Vereins über die Jahre gewechselt. Leute sind dazu gekommen und andere sind gegangen. Das Interesse am Mittelalter teilen wir aber nach wie vor mit dem selben Enthusiasmus.
Wie das eben des Öfteren so ist, hat die Besetzung des Vereins über die Jahre gewechselt. Leute sind dazu gekommen und andere sind gegangen. Das Interesse am Mittelalter teilen wir aber nach wie vor mit dem selben Enthusiasmus. Und hier die Liste der Via-Nostra-Mitglieder.
Wer unsere Leidenschaft teilt oder einfach einmal in die Materie hineinschnuppern will, kann sich gerne über unser Kontaktformular bei uns melden.
Warum ausgerechnet Mittelalter?
Dunkelheit. Pferde und Falken. Pest. Unzivilisiert. Ritter. Schwerter. Dreck. Burgen. Arme Bauern. Kreuzzüge. Prächtige Kleider. Hunger. Könige...
So oder ähnlich wird das typische Brainstorming zum Thema Mittelalter aussehen.
Was davon stimmt? Was nicht? Und was ist Mittelalter eigentlich?
Zunächst einmal ist das Mittelalter eine ausgesprochen lebendige Zeit, in der sich vieles verändert hat. Eine Zeit, die die heutige Gesellschaft und Politik nach wie vor mitprägt. Dazu kommt, dass man gerade in unserer Gegend dem Mittelalter kaum entkommen kann. Die Burgruine auf dem nächsten Hügel, die immer da war. Wer hat sie gebaut? Warum? Wer lebte dort? Wie?
Wir wollen es herausfinden. Wir wollen wissen, wie die Leute gelebt haben
und wofür.
Wir behaupten nicht, dass wir hundertprozentig nachvollziehen können,
wie das Leben damals ausgesehen hat, aber wir möchten es versuchen.
Wir möchten wissen, wie schwer eine Rüstung ist und wie sich der
Arm nach einem Schwertkampf anfühlt.
Wir möchten wissen, wie Essen schmeckt, das über einem offenen
Feuer zubereitet wird.
Wir möchten wissen, wie man riecht, wenn man einige Tage keine Dusche,
aber dafür eine Menge Holzrauch abbekommt.
Wir möchten wissen, wie sich ein Holzlöffel in einem Eisenkessel
und ein Kleidersaum auf Gras anhört.
Wir möchten wissen, wie sich Seidengarn und reines Leinen anfühlen.
Wir möchten wissen, wie es ist, drei Lagen Kleidung zu tragen und damit
aufs Klo zu gehen (wenn auch - zum Glück - auf ein modernes ...)
Tja. Und was machen wir dann mit all dem Wissen?
Das, was man mit Wissen machen sollte, nämlich es weitergeben.
Via Nostra möchte - wie es der Zusatz zu unserem Namen schon sagt - das Mittelalter erlebbar machen. Und zwar nicht nur für
uns.
Wir möchten Fragen beantworten, mittelalterliches Leben vorführen, Bilder zurecht rücken. Vielleicht ein paar Missverständnisse aufklären und Vorurteile ausräumen.
Also: Fragt uns und wir werden nach bestem Wissen antworten.
Was genau stellt ihr dar?
Das Mittelalter umfasst fast 1000 Jahre, viele Völker und innerhalb der Völker viele Stände. Die Frage nach der Darstellung ist daher sehr berechtigt. Lasst uns also einen kurzen Blick zurück werfen:
"Zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts, irgendwo in Mitteleuropa. Eine kleine Gruppe aus edlen Herrschaften mit Dienerschaft und Wachen hat sich auf einem Reichstag eingefunden. Die Versammlung von Adeligen, Händlern, Gauklern und buntem Volk aus dem gesamten Heiligen Römischen Reich lässt man sich nicht entgehen. Auch nicht, wenn man dazu in einer Zeltstadt lagern muss. Schließlich will man ja sehen und gesehen werden! Man möchte Kontakte knüpfen, Gerüchte austauschen, vielleicht sogar den einen oder anderen Handel abschließen. Nach einigem Suchen findet man einen Platz, an dem die Zelte aufgeschlagen werden können. Nun bietet so ein Lager natürlich nicht die gewohnte Bequemlichkeit aber man wird es sich so gemütlich wie möglich machen."
Warum Reichstag und nicht einfach Reisegruppe? Weil es ein Lager, wie wir es aufbauen, als einfaches Lager unterwegs so gut wie nicht gegeben hätte. Adelige hätten in Klöstern oder bei Standesgenossen übernachtet und einfaches Volk (und selbst ein armer Adeliger) hätte sich einen solchen Aufwand nicht leisten können. Ein Lager wie das dargestellte hätte es nur gegeben, wenn man längere Zeit an einem Platz bleibt und es keine Aussicht auf Unterkunft in einem festen Haus gibt, also eben auf so riesigen Veranstaltungen wie einem Reichstag oder einem großen Turnier.
Das große, böse "A"
"A" steht in der Mittelalterszene für die viel umstrittene Authentizität in der Darstellung.
"
A" steht auch für 'Ausgegraben - Angezogen'.
Im Klartext: Gruppen, die sich mit dem großen "A" schmücken, richten ihre Darstellung nach belegbaren Vorbildern. Seien das Kleiderschnitte, Stickereistiche, Geschirr, Rüstungsteile oder Speisen.
Ob man "A" aber nun eher bei 'museumsreif', oder bei 'geschichtsnah interpretiert' oder irgendwo dazwischen ansiedelt, bleibt jeder Gruppe selber überlassen.
"A" steht aber auch für 'Ausgesprochen zeitaufwändig' und für 'Aber das kann ich mir doch nicht leisten'.
Man darf bei all diesen Diskussionen niemals vergessen, dass dieses Hobby überdurchschnittlich viel Zeit und Geld frisst.
Seidengarn für Borten, die "A" sind? Schwer zu kriegen und teuer.
Stoffe aus reiner Wolle oder Leinen, womöglich noch pflanzengefärbt? Siehe oben.
Handgearbeitete Schuhe aus Leder? s.o.
Waffen und Rüstungen? s.o.
Ich habe oben davon gesprochen, dass wir so nahe wie möglich am Mittelalter sein möchten. Die Erfahrungen, die man in einem Lager macht, sind aber immer irgendwie von unseren modernen Ansprüchen geprägt und wahrscheinlich eingeschränkt. Wer etwas anderes behauptet, dem würde ich gerne dabei zusehen, wie er sich in einem Lager erst eine Latrine gräbt und sich dann statt Klopapier irgendwelche Blätter oder auch gar nichts mit nimmt.
Der Punkt ist, dass wir uns all dieser Einschränkungen aber voll bewusst sind. Wir möchten das Mittelalter so nahe erleben, wie es uns eben möglich ist.
Wir bemühen uns um eine authentische Darstellung - das bedeutet, dass unsere Kleidung zwar nicht mit der Hand genäht ist, dass wir uns aber bei Stoffen, Verzierungen und Schnitten um Authentizität bemühen.
Man könnte es auch so ausdrücken: Das, was andere zu sehen bekommen soll passend sein, das was sich darunter verbirgt hat den Nachrang - zum Teil auch einfach aus gesundheitlichen oder hygienischen Gründen. Wir wissen, wo wir es uns einfacher machen, als es früher war und versuchen das in vernünftigen Grenzen zu halten oder es in Zukunft zu verbessern.
In unseren Zelten aus Segeltuch, Holz und Seilen finden sich (noch) Luftmatratzen und Feldbetten, in unseren ledernen Mittelalterschuhen sind Fußbetteinlagen, mit denen man auch einen langen Markttag (im wahrsten Sinne des Wortes) durchsteht. Wir tragen ganz normale Unterwäsche unter Rüstung und Kleid und haben auch immer Klopapier mit.
"A" zu sein bedeutet für uns eine gesunde Mischung aus nachweisbar und realisierbar.