Das goldene Marktl lädt ein zum...

... ersten Mittelaltermarkt in Ardagger

25.5. - 26.5.2013

"Merkt euch diesen Termin!" So hieß es im Herbst des vergangenen Jahres. Der erste Markt in Ardagger sollte stattfinden und wir durften dabei sein.


Das Vorspiel

Ardagger-Markt ist ein kleiner Ort zwischen Amstetten und Grein ...und direkt an meinem täglichen Arbeitsweg gelegen. Also nicht erwunderlich, dass ich im Laufe der Monate immer neugieriger wurde, wo wir denn unser Lager aufschlagen sollten. Die Grübeleien ließen auch nicht nach, als es bereits erste Veranstaltungshinweise und Werbeplakate gab. Ich suchte nämlich vergeblich nach einer Wegbeschreibung bzw. einem Lageplan im Internet und musste mich so in Geduld üben.

Erst einen Tag vor dem eigentlichen Markt sah ich schon von Weitem ein einzelnes Zelt am Wegesrand stehen, noch recht einsam und verloren. Kurzerhand hielt ich an, traf Lukas von Dominus Turris, der gerade mit dem Aufbau beschäftigt war und konnte so noch einige wichtige Informationen für unseren Verein einholen.


Es wird ernst

Und dann war es soweit: Freitag der 24.05.13... und es ist KALT! SAUKALT! Das Thermometer zeigt am Morgen gerade mal 3°C, es regnet und wir wollen tatsächlich lagern! Im Freien! Ohne Heizung!

Aber wie heißt es so schön: Was uns nicht umbringt, macht uns nur härter! Immerhin ist bereits Ende Mai und nicht tiefster Winter und wenn wir nur fest daran glauben, wird es schon werden!

Und tatsächlich, am Nachmittag klart es auf, wir können im Trockenen aufbauen und auch die Kälte ist auszuhalten. Bereits nach 2,5 Stunden steht das Lager, ein Feuer prasselt und versorgt uns mit Wärme und ein Linseneintopf wartet darauf, verspeist zu werden.

Sebastian und Vanessa von Sectio Artificarum leisten uns Gesellschaft. Sie haben ihr Zelt direkt neben uns aufgebaut und unsere Feuerstelle geteilt und so haben wir uns einen zusätzlichen "Publikumsmagneten" ins Haus geholt.


Die erste Nacht

Der Abend verlief ruhig und weitgehend regenfrei. Nach einer Weile habe ich mich diskret zurückgezogen. Ja, ich mag es gar nicht laut sagen, aber ich habe die Wohnortnähe absolut ausgenutzt und Dusche und warmes, kuscheliges Bett der Nächtigung im Zelt vorgezogen.

Die tapferen Lagernden hatten leider eine nicht ganz so ruhige Nacht. Das Sonnensegel hat die Belastung von Wind und Wasser nicht ausgehalten und ist regelrecht zusammengebrochen, sodass unsere Mannschaft ihre Nacht vorzeitig beenden musste und bereits in den frühen Morgenstunden mit den Aufräumarbeiten begann. Als ich am nächsten Morgen mit frischem Gebäck im Lager eintraf, war die Lage schon wieder unter Kontrolle.


Der Tag danach

Auch meine Nacht fand ein frühes Ende, war doch für den Samstag ein besonderes Mittagsmahl geplant und die dafür benötigten Kräuter mussten erst noch gesucht, gefunden und gesammelt werden. Über eine Stunde streunte ich durch Wald und Flur, bis ich alles zusammen hatte (aber ich muss gestehen, es hat sich gelohnt!). Wieder daheim musste ich mich nun sputen, Essensreserven einpacken, umziehen und natürlich nichts vergessen! Dieses allerdings ist mir nicht gelungen, unser Samstag-Morgen-Frühstück begann ... ohne Milch! Welch Frevel! Aber -  ich habe es überlebt! Glücklicherweise war es nur die Milch und nicht die Nutella!

Außerdem haben wir von den Veranstaltern (Dominus Turris und andere Vereine aus Ardagger) ein "Fresspaket" vom Feinsten erhalten - und die vermisste Milch war auch darin enthalten. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön und ein großes Lob an Lukas und Sabine von Dominus Turris sowie an alle anderen fleißigen Helferlein für die gute Betreuung. Selbst sehr lagererfahren haben gerade diese beiden genau gewusst, was das Herz eines jeden Lagernden erfreut, angefangen von der oben genannten Lebensmittelkiste bis zur sehr positiv aufgenommenen und längst nicht überall üblichen "Darstellertoilette".

Unkomplizierte Hilfe gab es in Form von Hackschnitzeln, als Samstagmorgen unser Lager zu einer Schlammwüste zu mutieren drohte. Auch für ausreichend Feuerholz war gesorgt. Immer wieder kamen sie zu uns ins Lager, um zu fragen, ob wir noch irgendwie Unterstützung brauchen können, brachten immer wieder Lebensmittelnachschub und selbst als eigentlich alle Brotreserven aufgebraucht waren, kamen die "Ardagger Heinzelmännchen" des Nachts und legten uns einen großen Laib Brot und ein paar Äpfel auf den Tisch.

Vielen, lieben Dank für die tolle Orga und die herzliche Betreuung!


Aber zurück zum Samstagmorgen – frisch gestärkt begannen wir den Tag.

Die frischen Forellen, die es zum Mittagessen gab
Vorbereiten derr Forellen
Die Forellen auf dem Rost
Die Vorbereitung der fotogenen Forellen, die es Samstags zum Mittagessen gab.

Der Regen setzte uns zwar etwas zu, aber er war auszuhalten. Der Markt blieb ruhig, nur wenige Besucher wagten sich her. Erst um die Mittagszeit klarte es auf, ja es wurde sogar noch richtig schön – gerade rechtzeitig, hatte ich doch für das Mittagessen etwas Besonderes geplant. Der Regen wäre da doch sehr störend gewesen. Ich wollte heute Forellen mit Wildkräuterfüllung im Krautmantel zubereiten.

Allein die Vorbereitungen waren anscheinend schon sehr sehenswert, wurde ich doch immer wieder von Zuschauern unterbrochen und habe deren Fragen beantwortet – hoffentlich schmeckt es dann auch, der Probelauf vor 2 Wochen war jedenfalls gelungen.

Bereits im ungegarten Zustand sahen die umwickelten Fische toll aus – ein gelungenes Fotoobjekt! Ich glaube ich habe noch nie ein paar Forellen gesehen, die so oft fotografiert worden sind.

Für das Grillen der Fische habe ich mir dann aber Hilfe geholt – Willi und Sebastian erwiesen sich als wahre Meister dieses Fachs! Und übrigens – es hat richtig gut geschmeckt! RICHTIG GUT!

Der Nachmittag hielt, was der Mittag versprach, es war richtig sonnig und auch die Temperaturen kletterten in die Höhe. Ein wirklich angenehmer Markttag. Viele Besucher kamen, denen Gaukler, Musikanten und Kämpfer ein abwechslungsreiches Programm boten.

Mir haben allerdings, gerade die Musik betreffend ein paar altbekannte Instrumente gefehlt. So habe ich doch die Drehleier vermisst und auch die zugegebenerweise manchmal recht nervenden Töne des Dudelsacks waren nicht zu vernehmen. Eher irritierend wirkte auf mich dagegen ein Didgeridoo, sowie eine Aufführung der örtlichen Bauchtanzgruppe. Aber das ist eine vereinzelte Meinung, dem Großteil des Publikums scheint es gefallen zu haben, wenn man den Andrang bei den Vorführungen betrachtet.

Das Königspaar zu Ardagger
Die tapferen Ritter mit ihren Knappen
Das Kinder-Ritterturnier, einer der Höhepunkte des Mittelalterfests.

Besonders erwähnenswert erscheint mir allerdings das tolle Kinderprogrammein „richtiges“ Ritterturnier wurde für die Kleinen veranstaltet. Zuerst wurde ein kleiner Gast zum König gekrönt, anschließend durfte dieser sich seine Königin auswählen. Gemeinsam suchte sich das Königspaar seine tapferen Ritter und ihre Knappen – junge Zuschauer mit viel Kampfgeist und ihre Eltern. Nun galt es, einige Prüfungen zu bestehen: ein Lanzenstechen, den Kampf mit einem Untier und ein paar weitere Geschicklichkeitsübungen. Alle Aufgaben wurden von den tapferen Rittern mit Bravour erfüllt und am Ende des Turniers wurden sie dafür vom kleinen König geadelt. Alles in Allem ein wirklich gelungener Spaß für Groß und Klein, der mehrmals täglich für Wirbel sorgte.

So verging der Nachmittag recht kurzweilig, der Abend kam, die Sonne ging - und mit ihr die Wärme des Tages. Also wurde das Feuer erneut angefacht, warme Getränke gereicht und eng zusammengerückt ließen wir den Tag ausklingen.


Neuer Tag, neues Glück, neuer Regen

...und diesmal sollte er bleiben! Starker Wind machte es nicht besser, wir hofften zwar den ganzen Sonntag auf etwas Sonnenschein, doch sollten unsere Gebete nicht erhört werden. Aber wenigstens hielten die Zelte und Planen das Gröbste von uns ab.

Dem Regen zum Trotz hatten wir dennoch unseren Spaß, knüpften neue Kontakte, legten ein paar Trainingseinheiten ein und räumten dann so langsam aber sicher unser Zeug zusammen.

Um 17 Uhr war offizielles Marktende und wir begannen mit dem Abbau. In unglaublichen 70 Minuten war alles wieder verpackt und verstaut – leider war alles so nass, dass wir um unsere „Trockenraum-Zeremonie“ nicht herumkommen sollten. Alles musste noch einmal aufgehängt werden, bevor wir es gut verpackt für den nächsten Markt weglegen konnten.

Jetzt kam noch schnell die Verabschiedung – ja, ich muss gestehen, schnell war das nicht, aber soviel Zeit muss sein.

Müde aber zufrieden traten wir nun den Heimweg an – der Alltag hatte uns wieder.


Resümée

Es war wirklich ein gelungener Markt in Ardagger und ich bin froh, bereits beim ersten Mal dabei gewesen zu sein. Uns Lagernden wurden die Wünsche regelrecht von den Augen abgelesen. Noch einmal ein herzliches Dankeschön an Dominus Turris, sowie alle anderen beteiligten Vereine und freiwilligen Helfer.

Und nicht zuletzt auch wieder einen großen Dank an Via Nostra – es macht immer wieder Spaß mit euch. Das Lagerleben funktionierte reibungslos und stressfrei. Ich freu mich jetzt schon auf Prandegg.


Eure Antje, 31.05.2013


Nachtrag

Bevor ich diesen Artikel beenden und weitersenden konnte, überraschte uns alle ein Hochwasser einer besonderen Größenordnung. Ardagger war von diesem ebenfalls sehr stark betroffen. An dieser Stelle möchte ich mein tiefes Mitgefühl für die Betroffenen aussprechen, meine Gedanken sind bei euch. Ich wünsche euch, dass der Schaden nicht zu groß ist, wobei ich dieses bei den mir bekannten Bildern fast ausschließen muss.

Antje von Via Nostra


Ergänzung von Rene, 11.6.2013

Heute habe ich von Sabine von Dominus Turris erfahren, das Ardagger vom Schlimmsten verschont geblieben ist. Es gab geflutete Keller und auch einige Sachschäden, aber die richtige Katastrophe, das Steigen des Wasser bis in die Wohnungen, konnte wohl verhindert werden.

Wir sind alle froh darüber, dass es zumindest in Ardagger so glimpflich ausgegangen ist.


Weiterführende Links

Dominus Turris
Sectio Artificerum auf Facebook

 

Borte (Seitenabschluß)