Spectaculum zue Durrencrute 2008

Unsere Marktberichte:

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   4.10. - 5.10.2008
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Spectaculum zue Durrencrute
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16.8. - 17.8.2008


Da muss man hin

"Dürnkrut wird einer der wichtigsten Märkte der Saison" hat man uns gesagt.
" Da müsst ihr schon hin." hat man uns gesagt.

"Na gut." haben wir uns gedacht und uns auf eine dreistündige Reise gemacht. Tina, Markus und Stefan im Transporter, Benjamin, ich, Gregor und René mit einem Auto.

Über Nest, vorbei an Würmla, durch Großschweinbarth, Erdpreß und Klein-Harras haben wir uns gekämpft.
Fast wären wir zwischen Tulln und Dürnkrut verloren gegangen. Aber schließlich ... ein gewaltiger, majestätischer Turm erhebt sich aus den Hügeln ... bestimmt das Schloss.. äh, nein ... doch nur der Lagerhaussilo.
Aber daneben ... ja, das kann nur das Schloss sein.


Venedig in unserem Lager

Und so kamen wir dann schließlich an. Bei einer Luftfeuchtigkeit, als würde man an der frischen Luft ertrinken, drückender Hitze und drohenden Gewitterwolken.

Schnell aufbauen lautete also die Devise. Nachdem der Freitag ein Feiertag war, konnten wir diesmal ja sogar alle gemeinsam fahren und so standen die Zelte auch noch bevor das Wetter ernst machte.
Und wie ernst.

Von Freitag Nachmittag bis Samstag früh immer wieder schwere Gewitter. Dazwischen meistens so 1 1/2 Stunden Pause, dann das nächste. Der Boden in Dürnkrut ist lehmig. Das bedeutet: erst kommt das Wasser in Rinnsalen und dann wird der Boden zu einer einzigen Schlammsuhle. Das Zelt von Tina und Markus war innerhalb weniger Stunden ein Teig mit ein wenig Zeltstoff drauf. Markus und René begannen Entwässerungsgräben rund um die Zelte und quer durchs Lager zu ziehen um wenigstens das Schlimmste zu verhindern.
Trotzdem musste Markus für die erste Nacht in die neben dem Gelände liegende Schule umziehen, weil ein Schlafen im Zelt für ihn mit Luftmatratze unmöglich war.


Ein Ort fürs Mittelalter

Achja ... Schule. Ein paar Worte zum Gelände: das Dürnkruter Schloss liegt mitten in der Ortschaft. Auf der einen Seite geht die Hauptstraße vorbei und der Vorderseite gegenüber liegt eine Schule.

Da der Ort Dürnkrut der Veranstalter des Festes ist und das Fest Tradition hat, wird auch der gesamte Ort miteinbezogen. Die Hauptstraße wird im Bereich des Festgeländes gesperrt und als Händlerstraße genutt, viele Vereine und auch Geschäfte bauen eigene Gastrostände auf, die Schule und der dazugehörige Park werden zur Verfügung gestellt und die verantwortlichen Stadtväter und -mütter haben sich am Freitag sogar bei uns vorgestellt und sich ein wenig zu uns gesetzt.

Die Toiletten der Schule waren für die Akteure reserviert (daran hat sich am Sonntag dann niemand gehalten, aber das war wohl abzusehen) und der Turnsaal konnte eben als Schlafsaal bzw. Ausweichquartier benutzt werden. Auch die Duschen der Schule standen den Akteuren zur Verfügung.


Nass-kalt-Samstag

Aber zurück zu unseren Helden. René war einen großen Teil der Nacht damit beschäftigt, immer wieder die Entwässerungsgräben abzulaufen und die Heringe wieder in den aufgeweichten Boden einzuschlagen. Die Heringe des völlig durchnässten und entsprechend schweren Sonnensegels gaben aber dann doch - trotz doppelter Abspannung - irgendwann auf und eine Seite des Segels fiel herunter.

Der Samstag begann regnerisch, windig und kalt. Frierend und nass klammerte sich der gesamte Verein an heißen Kaffee oder Tee und wünschte sich ein bisschen Sonne. Drei Strohballen wurden aufgeschnitten und das Stroh auf dem gesamten Lagerplatz unter den Tisch und Bänken, zwischen den Zelten und auch in den Zelten unter den Bodenplanen verteilt, um den Schlamm wenigstens ein bisschen trittsicherer zu machen.

Und dann war auch schon unsere Anwesenheit bei der Markteröffnung gefragt. Danach beim Umzug und schließlich bei den Buhurten.


Trocken-warm-Sonntag

Der Sonntag war schön und warm, wodurch unsere Zelte und das Sonnensegel wenigstens wieder trocken wurden. Allerdings waren wir uns einig, dass die Bodenplanen aller drei Zelte nach dem Markt weggeworfen werden müssen. Da war einfach keine Chance mehr, die je wieder auch nur einigermaßen sauber zu bekommen. Zum Glück verwenden wir einfache Planen zum Abdecken von Holzstößen. Die halten viel aus und sind bezahlbar.

An beiden Tagen hatten unsere Kämpfer eine Menge zu tun. Zwei Buhurte und einmal pro Tag eine Stunde Wache stehen beim Zeremonienschwert von Ottokar II. Dazu kamen Markteröffnung und Umzug.


Spinnen für die Massen

Am Sonntag bekam dann auch ich reichlich Arbeit. Sobald es halbwegs warm genug dazu war, sich im Lager in Ruhe hinzusetzen, packte ich meine Spindeln aus. Binnen kurzem wurde ich von Besuchern mehr oder weniger überrannt, die etwas über das Spinnen mit der Handspindel erfahren wollen. Obwohl eigentlich nicht angekündigt, improvisierte ich für einige Besucher, die es selbst einmal versuchen wollten, einen kleinen Spinnworkshop. Man hätte fast meinen können, unser Lager war das einzige, in dem es so etwas zu sehen gab.


Verpflegung in kleinen Dosen und Lager in kleinen Scheiben

Für diese Leistung gab es (außer Gage) auch Verpflegung durch die Narrenküche. Das Essen war nicht schlecht, aber gerade für unsere Kämpfer viel zu wenig. Zwei Löffel Eintopf (!!!) pro Person sind einfach nicht genug, wenn Vollverpflegung versprochen wird. Stark unterschätzt hat der Narrenkoch wohl auch den Kaffeedurst der anwesenden Lagergruppen. Die vorhandene Kaffeemaschine kam– trotz Dauerbetrieb – dem Ansturm der müden und frierenden Lagergruppen bei weitem nicht nach.

Das ist eines der Dinge, die uns unangenehm aufgefallen sind. Eine andere Sache war die Lagereinteilung. Der ursprünglich vorgesehene Platz war viel zu knapp bemessen. Für die Pleyener, die wir uns eigentlich als Nachbarn gewünscht haben, blieb für vier große Zelte grade mal ein Platz von sieben mal sieben Meter übrig. Sie mussten auf der anderen Seite der Burg außerhalb des eigentlichen Lagergeländes aufbauen – was sich im Nachhinein für sie als Glücksfall herausstellte. Ihr Lagerplatz war trotz Gewitterregen schön fest und trocken, während die ursprüngliche Stelle Freitag Nacht mehrere Zentimeter unter Wasser stand. Trotzdem ist es eine Frage von guter Vorbereitung vor einem Markt, das Gelände zu besichtigen, es auszumessen und dann entsprechend einzuteilen.


'Koordination' oder 'Koord...was?'

Die Schwertwache war auch nicht eingeteilt worden und unsere Leute mussten von einer Minute auf die andere zur Verfügung stehen - schwierig, wenn auch mal jemand in Ruhe essen oder eine Runde über den Markt machen möchte oder einfach Lagerwache halten muss.

Das Gelände für den Schaukampf war viel zu klein und schlecht abgesperrt. Für so viele Kämpfer und einen guten Schaukampf hätte die Wiese ungefähr doppelt so groß sein müssen. So konnten sich unsere Freikämpfer kaum bewegen. Dazu kommt, dass nur mit einem sehr hoch angesetzten Seil abgesperrt war. Kinder konnten bequem darunter durchgehen und durch die beengte Situation war das Ganze nicht ganz ungefährlich.


Toiletten aufsperren ist nicht schwer, Toiletten pflegen dagegen sehr

Und dann die leidige Toilettenfrage. Ein Lob muss man dem Organisator und der Gemeinde dafür aussprechen, dass man an eigene WCs für die Akteure gedacht hat. Das hat man nicht oft und ist nachahmenswert. Um so erstaunlicher darum für uns, warum sich dann, dem Anschein nach, niemand mehr um die Anlagen gekümmert hat. Es muss ja gar nicht, wie z.B. in Purgstall, ständig jemand vor Ort sein. Aber In Dürnkrut waren die Klos schon am Samstag schmutzig und ohne Toilettenpapier. Als die Benutzer dann in ihrer Verzweiflung zu Papierhandtüchern als Ersatz griffen, passierte, was passieren musste: Ab Sonntag Morgen waren einige der WCs dann auch verstopft


Angenehme Gesellschaft entschädigt für Vieles

Weit angenehmer ist das Thema Gesellschaft in unserem Lager.

Aus dem Mittelalter-Treff-Forum haben uns einige Leute besucht (Es tut mir leid, ihr Lieben, ich weiß leider nicht mehr von allen die Namen. Barbara war dabei und natürlich Sabine. Aber ich fürchte, die Herren sind irgendwie ... an mir vorbeigeschwänzelt - sogar dreifach ...), allen voran unsere liebe Nina. Die Pleyener haben sich natürlich auch dazu gesetzt und uns entsprechend unterhalten. Met, Whisky, Radler und am Samstag auch viel Trost-gegen-die-Kälte-Schokolade hat die Runde gemacht.

Einige Ausfaller sind im Laufe der Zeit noch vorbeigefallen oder wurden von uns besucht und die Wikinger der Jorvik-Sippe haben auch auf eine gemütliche Stunde bei uns vorbeigesehen. Einige der restlichen Lagergruppen gingen leider an uns vorbei (im wahrsten Sinne des Wortes und oft genug ohne Freundlichkeit oder auch nur Höflichkeit).


Und das wars?

Alles in Allem ist uns nicht so ganz klar, warum Dürnkrut so ein besonders wichtiger Markt gewesen sein soll. Einiges war schlecht organisiert, das Programm war zwar recht dicht aber eigentlich wie immer, die Händler nicht besonders.

In vielen Fällen positiv aufgefallen sind diesmal die Gastrostände, die sich viel Mühe mit dem Aussehen gaben. Im Hauptbereich der Gastro bestanden die Tische und Bänke aus Bohlen, die über Strohballen gelegt waren, und wo es Bierzeltgarnituren gab, waren deren Beine in Strohballen versteckt.

Zu den Händlern muss man erwähnen, dass Gerüchte halber etliche Händler einfach nicht erschienen sind (die vielen leeren Standflächen auf der Marktstraße sprechen dafür). Wenn dem so war, dann kann der Organisator natürlich nichts für das dünne Angebot.

Das einzig besondere daran war wirklich, dass Gruppen aus ganz Österreich bzw. sogar Bayern da waren. Kärnten, Tirol, Oberösterreich, Wien und dann noch die Fötibus Ritter aus Füssen. Lauter Schaukampf- oder Freikampftruppen.

Wir denken aber trotdem, dass wir uns die weite Fahrt im nächsten (bzw. übernächsten) Jahr nicht mehr antun werden. Es gibt bessere und schönere Märkte in der Nähe.

Christa Schwab, 17.9.2008

 

Borte (Seitenabschluß)