Zeitreise ins Mittelalter Eggenburg 2017

8.9 - 9.9.1027

Spät aber doch: ein kleiner Rückblick auf die Zeitreise ins Mittelalter in Eggenburg.

Auf Einladung der IG 14 einerseits und des Veranstalters andererseits haben sich ein paar von uns auf den Weg ins Waldviertel gemacht.

Die Vorgabe war "bitte möglichst historisch korrekt", also waren die Anforderungen an Ausrüstung und Lagerbild etwas strenger als das bei uns sonst der Fall ist. Dies nur als Hintergrund-Info.


Lagerplatz-Infrastruktur

Die Kanzlerwiese in Eggenburg ist einerseits der kleinste, andererseits der komfortabelste Markt-Lagerplatz, den wir (oder wenigstens ich) je hatten.

Problemlose Zufahrt, parken der Autos samt Hänger direkt vor der Einfahrt, saubere Sanitäranlagen und Wasser in einigen Schritten Entfernung. Außerdem reichlich Stroh und Holz direkt vorort. Dabei aber direkter Zugang zur Innenstadt und damit zum Markttreiben.

Ich muss ja zugeben, es liegt vielleicht an meinem Alter und an meiner Abneigung gegen alkoholgeschwängertes Gegröhle, dass ich mit einer Besonderheit besonders viel Freude hatte: Die Kanzlerwiese wurde jeden Abend um Punkt 22.00 Uhr mittels Tor abgesperrt. Meine Erleichterung ist vielleicht verständlicher, wenn ich darauf hinweise, dass man - zum Glück aus der Ferne und leicht ignorierbar - noch um 05.30 früh Leute in der Stadt herumbrüllen hören konnte.

Und nein, wir wurden natürlich nicht eingesperrt. Es gab mehrere Schlüssel, die für die Lagergruppen ausgegeben wurden.


Nette Nachbarn

Apropos Lagergruppen: wie schon erwähnt, ist die Lagerfläche auf der Kanzlerweise ziemlich klein. Der Turnierplatz nimmt gut die Hälfte der Fläche ein, so dass nur für eine Handvoll Gruppen genug Platz war. An dieser Stelle ein Winken in Richtung der Nachbarn von der IG 14 und ein Dankeschön für gemütliches Beisammensitzen und einige sehr interessante Gespräche.


Leichtes Orga-Chaos

So schön der Lagerplatz war und so gut das Lagern an sich organisiert war, bleibt dennoch ein wenig Kritik zu üben: vor Allem an der Organisation im Vorfeld, die uns sehr lang auf eine fixe Zusage hat warten lassen. Und es dann noch versäumt hat uns mitzuteilen, dass wir auch am Freitag schon Verpflegung bekommen können - wir waren nach einer kurzen Erwähnung in einer E-Mail von den Veranstaltungstagen Samstag und Sonntag ausgegangen. Es wäre ja nicht einmal ein Problem für uns gewesen, uns selber zu informieren, wenn man uns nur gesagt hätte, dass und wo wir das tun sollen (es gab einen Info-Stand, der auch für uns zuständig war - wie wir dann irgendwann Samstag am frühen Nachmittag herausgefunden haben).

Daher ein Hinweis an die Orga: eine Mail mit solchen, grundsätzlichen Infos im Vorfeld wäre sehr wünschenswert.


Nun aber zur Erfahrung Eggenburg.

Ddie Feuerstelle mit den neuen Töpfen
Die Feuerstelle mit den neuen Töpfen. Nicht sehr aufsehenerregend, aber sehr nah an der damaligen Wirklichkeit.

Zunächst einmal: es ist groß - nach wie vor das größte Fest Österreichs, mit einer (für eine solche Veranstaltung) recht langen Geschichte. Wo andere kommen und gehen, hält sich die Zeitreise Eggenburg schon seit 1995 ganz oben in den Rankings der beliebtesten Mittelalterfeste.

Aus unserer Sicht kann man sagen: Mittelaltermarkt hoch drei - also mehr von allem. Auch sehr viel, was für uns gar nicht interessant war. Hin und wieder aber auch das eine oder andere Juwel, wie einige ungewöhnliche Händler mit gutem und auch für uns nutzbarem Angebot.  Bemerkenswert auch die historischen Vorträge im Rahmen eines Science-Slam und die Anwesenheit von Harmonia Variabilis (langjährigen Hörern guter Alter Musik sicher auch noch als Dulamans Vröudenton bekannt).  Man bemüht sich in Eggenburg, für alle Teile der Mittelalterszene etwas zu bieten, wenn der überwiegende und sichtbarste Teil auch dem ganz durchschnittlichen Mittelaltermarktbesucher gehört.

Wir selbst waren vor Allem zur Vorführung von Handwerk vor Ort. Patrick war als Sarwürker zu beobachten, René bei der Herstellung eines Aketon, Lisa war mit Sticken beschäftigt und ich selbst habe mit Wollkämmen, Spindeln und Rocken jongliert.

Teresa hatte sich eigentlich alles fürs Nadelbinden mitgenommen, war aber - klarerweise - vor Allem mit Jakob beschäftigt. Außerdem musste sie ihren Aufenthalt leider abbrechen, weil sie sich nach der ersten, SEHR kalten Nacht ziemlich heftig erkältet hatte.

Und Christian hatte sich in kulturelle und politische Einzelheiten zum 12. Jhd eingelesen, kam aber zu wenig zum Zug.

Der Adelstisch
Der 'Adelstisch' in unserem Lager, mit historisch passendem Geschirr und handgenähtem Tischtuch.

Als ersten Versuch haben wir uns diesmal um eine Andeutung von Ständetrennung bemüht. Unsere beiden Tische waren verschieden gedeckt – ein Tisch mit Tischtuch (was enorm viel ausmacht!), Keramik und hübschen Schälchen für Obst und Brot und der andere einfach gehalten, um Werkzeug darauf ablegen und zeigen zu können. Es hat zwar niemand direkt nachgefragt aber der Unterschied ist sicherlich auch so aufgefallen. Trotzdem denke ich, dass wir das in Zukunft, auch in Verbindung mit Christians Erklärungen, etwas anders und prominenter präsentieren müssen - evtl. auch mit einem speziell darauf ausgelegten Display.

Ein weiteres Novum war unsere Kochausstattung. Ein neuer Kugeltopf und ein ebenso neuer Kupferkessel wurden erfolgreich eingeweiht. Besonders der Kugeltopf, der den ganzen Tag in der Glut geblieben ist um uns mit warmem Teewasser zu versorgen, zog die Blicke der Besucher auf sich. Es gab einige, interessante Gespräch zum Thema Kochen und Ernährung und ich war wieder einmal erstaunt, was für Kleinigkeiten Aufmerksamkeit auslösen. Schließlich war das ein kleiner Kugeltopf (4,5 l Fassungsvermögen), halb vergraben in der Glut in einer unauffälligen Feuergrube und so ganz ohne lodernde Flammen und dramatisch brodelndem Kessel. Man sollte die Besucher, auch jene eines normalen Mittelaltermarktes, niemals unterschätzen!

Ganz allgemein gesprochen war das Interesse der Leute groß, ohne dass man uns überrannt hätte - eine gute Mischung also. Wir haben viel erklärt und gezeigt und ich denke, wir konnten das eine oder andere Stückchen Wissen auch erfolgreich vermitteln.


Christa Schwab, 10.10.2017

 

Borte (Seitenabschluß)