Waxenberger Ritterfest 2017

19.8. - 20.8.2017

Nach sechsjähriger Pause haben wir dieses Jahr wieder als Lagergruppe am Waxenberger Ritterfest teilgenommen. Mit von der Partie waren Sabine, Johannes, Patrick, Stefan und ich (René).


Anreise und Aufbau

Bereits am Donnerstagabend waren Patrick, Stefan und Christian im Lager, um zu packen. Zum ersten Mal kam dabei unser neuer Anhänger zum Einsatz. Ich muss zugeben, ich war etwas schockiert, als ich ihn am Freitag früh zu sehen bekam. Er war voll! Ich hatte erwartet, dass er uns jede Menge Platz für unseren Kram bieten würde, aber tatsächlich müssen wir sorgfältig packen, damit alles hineinpasst.

Johannes, Patrick und ich waren dann am Freitag gegen 13:00 Uhr in Waxenberg und begannen mit dem Aufbau. Das Wetter war gut und wir hatten genügend Zeit, sodass es egal war, dass wir nur so ein kleines Team waren.

Obwohl die Gruppe mit nur fünf Leuten eher klein war, war unser Lager mit vier Zelten sehr beachtlich. Patrick und ich wollten unsere neuen Zelte testen, Stefan wollte nach langer Lagerabstinenz auch endlich mal sein eigenes Zelt benutzen und auf die Bequemlichkeit eines Materialzelts wollte keiner von uns verzichten.

Unsere neuen Tentorium-Zelte verlangten uns Einiges an Mühe und Ausdauer ab. Wir haben die Heringe teilweise dreimal neu gesetzt, bis die Zelte richtig standen. Anscheinend brauchte es seine Zeit, bis sich der feste Leinenstoff richtig gedehnt und die Zelte ihre richtige Form angenommen haben. Aber dann standen sie wie eine Eins. Und wir gehen davon aus, dass es beim nächsten Mal schneller geht.

Die beiden anderen Zelte, das Sonnensegel und das Dach für die Feuerstelle machten uns dann keine Probleme, sodass so gegen 17:00 Uhr das Lager komplett stand.

Als Stefan dann eine halbe Stunde später ankam, brauchte er nur noch sein Zelt einräumen und konnte sich direkt an die Vorbereitungen für das Abendessen machen.


Stürmische Nacht

Bereits bei der Ankunft hatten uns die Organisatoren gewarnt, dass in der Nacht mit Sturmböen zu rechnen sei. Wir sollten das Wetter beobachten und im Ernstfall hinunter ins Waxenberger Schloss gehen. Dort wären Räumlichkeiten vorhanden, in denen wir notfalls die Nacht verbringen könnten.

Als dann am frühen Abend die ersten heftigen Böen über den Burgberg fegten, stürzten wir sicherheitshalber unser Sonnensegel und packten es in ein Zelt. Wir selbst zogen uns unter die viel kleinere Plane für die Feuerstelle zurück, die dem Wind weniger Angriffsfläche bot und daher stehen bleiben konnte.

Auch als der Wind wieder abebbte, bauten wir das Sonnensegel nicht wieder auf. Und das war gut so. Denn dann ging alles rasend schnell.

Gegen elf ging erst einmal die Beleuchtung rund um die Burg aus. Das nahmen wir noch nicht sonderlich ernst, hatte man uns doch gesagt, dass die sich abschalten würde. Hätten wir darauf geachtet, dass auch im ORT die Lichter weg waren, hätten wir vielleicht vorsichtiger reagiert.

Kurze Zeit später kam ein Vertreter der Orga den Berg hinauf gerannt und rief uns zu, dass wir ins Schloss gehen sollten. Man hätte jetzt eine akute Sturmwarnung. Kaum war er weitergerannt, konnte man das Unheil auch schon nahen hören. Ein dumpfes Rauschen und Brausen, das immer lauter und lauter und schließlich ohrenbetäubend wurde. Und dann, von einer Sekunde auf die andere, war der Sturm da. Wilde Böen peitschten durch das Lager, zerrten an der Plane der Kochstelle und den Zelten. Die Luft war voller Blätter und kleiner Zweige, die der Sturm von den Bäumen riss und mit sich nahm. Es sah aus wie in einem grünen Schneetreiben. Die ersten zwei, drei Minuten war der Wind noch warm und trocken, dann begann es auch zu regnen.

Wir stürzten die Plane, holten unsere wichtigsten Sachen aus den Zelten und eilten hinunter zum Schloss. Oben bei unserem Lagerplatz war das Schauspiel beeindruckend und angsteinflößend, aber so richtig mulmig wurde uns erst, als wir auf dem Weg nach unten die ersten abgebrochenen, armdicken Äste sahen. Wir waren heilfroh, als wir das schützende Schloss erreichten.

Etwas erschreckt hat mich, wie schlecht die Teilnehmer des Markts trotz Vorwarnung auf die Evakuierung vorbereitet waren. Ein Notfallpack mit wichtigen Dingen wie Portemonnaie, Handy, Ausweis, etwas zu trinken und trockener Kleidung hatte kaum jemand dabei. In unserer Gruppe waren zumindest alle warm angezogen und hatten ihre Mäntel mit, aber es gab viele, die nass und mit nacktem Oberkörper (oder einem nassen T-Shirt) in den Räumen im Schloss saßen.

Das Ausmaß der Schäden zeigte sich dann am nächsten Morgen. Mehrere Stände und viele Zelte waren beschädigt, sodass zumindest ein Händler vorzeitig abbaute. Wir hatten Glück. In unserem Lager war alles in Ordnung. Und zum ersten Mal bin ich froh darüber, dass unser Sonnensegel etwas fragil ist. Denn das hat es vor der Zerstörung gerettet. Ein stabileres hätten wir nicht abgebaut, und dann wäre es uns in der Nacht davon geweht worden.

Von Personenschäden blieb die Veranstaltung zum Glück verschont. Es gab ein paar Abschürfungen und ein paar Beulen, aber niemand musste ins Krankenhaus. Zu danken war dies auch der Evakuierung durch die Veranstalter.

Später erfuhren wir dann, dass es in St. Johann am Walde durch den Einsturz eines Festzelts zwei Todesopfer und viele Verletzte gegeben hat. Da sind wir in Waxenberg trotz aller Schäden noch sehr glimpflich davon gekommen.


Samstag: Ganz internes Mittelalterfest

Nebelstimmung am Samstagmorgen.
Unser Lager am Samstagmorgen. Tiefhängende Wolken und Nässe. Im Hintergrund einer der zerstörten Marktstände.

Sabine, Patrick und René beim Verarbeiten des Rindertalgs.
Sabine, Patrick und René beim Verarbeiten des Rindertalgs.

Die fertigen Talglichter am Samstagabend.
Die fertigen Talglichter am Samstagabend.

Der Samstag war nass. Zumindest hat es die meiste Zeit geregnet. So kam es, dass es fast keine Besucher gab und wir uns wie auf einem internen Lager fühlten. Aber für uns war der Tag schön. Unter dem wieder aufgebauten Sonnensegel war es trocken, keiner von uns fror und wir konnten unseren Beschäftigungen nachgehen. Für Sabine, Patrick und mich hieß das: Talg auslassen.

Wir hatten uns für diesen Markt vorgenommen, Talg für unsere Talglichter herzustellen. Und daher hatte Patrick fast vier Kilo Nierentalg vom Rind mitgebracht, den wir verarbeitet haben. Von Patrick wird es dazu noch einen eigenen Bericht geben. Daher sage ich hier nur so viel: Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Samstagabend konnten wir unsere Lichter das erste Mal ausprobieren und sie haben funktioniert.

Die paar Besucher, die an diesem Tag den Weg zu uns herauf fanden, waren bei dem Anblick eines Kessels voll Fett natürlich neugierig. Von vielen kam als erste Meldung: "Ja, was macht ihr denn da? Grammeln auslassen?" Eine eigentlich gar nicht falsche Annahme bei uns in Oberösterreich, wo der Grammelknödel zu den Grundnahrungsmitteln gehört. Sobald wir dann erklärt haben, was da tatsächlich passiert, ließ die Neugierde aber nicht nach - eher im Gegenteil. Mit viel Interesse wurde da unseren Erklärungen gelauscht.

Stefan kümmerte sich derweil um unser leibliches Wohl. Für das Mittagessen hatte er eine Gemüsesuppe und mit Käse gefüllte Eier geplant, für den Abend Schweinefleisch mit Rotwein und Pilzen. Alles hat hervorragend geschmeckt und wurde von uns fast restlos vernichtet.

Alle Rezepte waren mittelalterlich. Das Rezept für die gefüllten Eier zum Beispiel stammt aus dem 13. Jahrhundert.


Sonntag: Sonn-Tag

Der Sonntag begrüßte uns mit Sonnenschein. Und der hielt sich bis zum Abend. Nur am frühen Nachmittag brachte uns das Wetter mit einem kurzen, aber heftigen Regenschauer noch einmal zum Schwitzen. Würden die Zelte bis zum Abbau trocknen? Aber der Regen verschwand so schnell, wie er gekommen war, und schon nach kurzer Zeit zeigte sich, dass unsere Sorgen unbegründet waren.


Tentorium - Die Zelte mit dem 'Plopp'

Und nachdem die Zelte eben angesprochen wurden: Welche Erfahrungen haben wir mit den neuen Leinenzelten gemacht?

Was als Erstes auffällt ist die massive Ausführung. Die Planen sind doppelt so dick wie die unserer bisherigen Zelte, und die Masten könnte man als Stützen in einem Haus verwenden. Das macht sie deutlich schwerer als unsere bisherigen Zelte aus Baumwolle. Was wir noch nicht wissen. Wie schwer werden sie, wenn sie nass sind? (Und wir hoffen, dass es noch eine Weile dauert, bis wir das herausfinden.)

Sie sind aber sehr gut verarbeitet und in vielen Details gut durchdacht. So sind zum Beispiel die Schlaufen für die Heringe ca. zehn Zentimeter oberhalb des Planenrands angebracht. Auf diese Weise bildet die Plane am Boden einen dichten Windschutz. Und sie sind schön gearbeitet. Die Masten sind achteckig und oben abgerundet, die Zeltspitze mit einer zusätzlichen Lage Stoff verstärkt.

Der Stoff ist steif und widersetzt sich Versuchen, ihn mal schnell zurecht zu ziehen oder zusammenzuknüllen. Trotzdem kann man sie mit zwei Personen aufbauen.

Wie lebt es sich in den Zelten? Das Wichtigste: Sie sind dicht. Trotz heftiger Sturmböen in der Nacht und Dauerregens am Samstag standen die Zelte bombenfest und hielten das Innere trocknen. Sonstige Erkenntnisse: Der Innenraum ist dunkler. Durch die dicke Plane kommt weniger Licht als bei einem Baumwollzelt. Dafür hat man nachts auch nicht den 'Schattenspiel'-Effekt eines normalen Zelts. Und sie trocknen sehr schnell, viel schneller als Zelte aus Baumwolle.

Und dann, beim Abbauen, gibt es noch den 'Plopp'. Die Mastteile sind sehr genau gearbeitet. Trennt man die beiden Masthälften oder zieht die Kugel von der Mastspitze, dann hört man dieses sehr charakteristische Geräusch, wenn Luft schlagartig in einen Raum mit Unterdruck schießt.

Allein deshalb mögen wir unsere Zelte :-)


Besuche

Der Stand von Vehi Mercatus
Der Stand von Vehi Mercatus, so weit er hinter den Besuchermassen zu erkennen ist.

Sabine erklärt Besuchern das Nadelbinden
Sabine erklärt Besuchern das Nadelbinden.

An Sonntag kamen dann auch alle angekündigten Besucher: Lisa, Nicky, Christian und Griff von Via Nostra, Nickys Mutter, Stefans Eltern, Sebastian und noch einige andere kamen im Laufe des Tages bei uns vorbei und füllten das Lager.

Im Gegenzug nutzten wir den schönen Tag, um uns die Burg und den Rest des Markts anzusehen. Wir haben uns über die Anwesenheit der Feigen Knechte gefreut, weil die gute und abwechslungsreiche Musik machen. Auch einige Einkäufe wurden getätigt: Holzgeschirr, Gürtelschnallen und Fibeln.

In unserem Lager gab es auch an diesem Tag für die nun sehr zahlreichen Besucher etwas zu sehen. Patrick führte das Herstellen von Kettenrüstungen vor und Sabine erklärte interessierten Besuchern die Grundlagen des Nadelbindens.

Kurz vor Ende der Veranstaltung gab es dann noch Action und Spaß im Hungerturm.

Stefan, Johannes und ich wollten noch etwas Schwertkampf trainieren. Die beiden anderen waren vor mir am Turm und fingen schon mal an. Sofort strömten natürlich Zuschauer dazu, und so wurde das Ganze ein Schautraining. Dann kam die Truppe von Draconis Cognatio in den Turm und aus dem Training wurde ein Zweikampf zwischen Via Nostra und den Draconen, das Ganze mit viel Schmäh und Unterhaltung für die mittlerweile sehr zahlreichen Zuschauer.

Auf unserer Seite schickte Stefan seinen besten Mann in den Kampf: Johannes. Auch die Gegenseite kämpfte wie ein Mann... Es wurde ein harter und langer Kampf, der sich nach Aussagen der Beteiligten über Stunden hinzug. (Mir kam es eher wie Minuten vor, aber ich war ja auch nicht dabei.) Das Gefecht wogte hin und her, aber schließlich konnte unsere Ein-Mann-Armee ein ehrenvolles Unentschieden erkämpfen.

Ob sich Draconis Cognatio das nächste Mal zweimal überlegt, uns beim Training zu stören?

Anschließend legten Johannes und ich noch eine Trainingssession ein, die ebenfalls sofort Zuschauer anzog. Also kommentierte Stefan gekonnt und wir lieferten noch einen unangekündigten Programmpunkt für die Besucher. Gerade als wir aufhören wollten, schneite noch ein Kamerateam von Mühlviertel TV in den Hungerturm und wir verlängerten für die Kamera unser Training noch um ein paar Minuten. Und just in diesem Moment, vor der Linse der Kamera, brach die Angel in meinem Schwert und die Waffe zerfiel in ihre Einzelteile. Ein Zuschauer dachte, wir hätten das gestellt und war dann sehr erstaunt, als ich ihm erklärte, dass meine Waffe tatsächlich und ungeplant zu Bruch gegangen war.

Das zerbrochene Schwert taucht übrigens auch im Video von Mühlviertel-TV auf, das uns in mehreren kurzen Einblendungen zeigt.


Abbau

Der Abbau dauerte mit der kleinen Gruppe länger als bei uns üblich. Die fehlende (Wo)men-Power spürte man. Bei einer größeren Gruppe gibt es zwar mehr Zelte, trotzdem stehen mehr Hände für die gemeinschaftlichen Aufgaben zur Verfügung.

Trotzdem, nach zweieinhalb Stunden war alles gepackt und verladen und wir konnten uns auf den Heimweg machen.


Fazit

Waxenberg war für uns ein Mittelalterfest ohne Verpflichtungen. Daher konnten wir alles sehr entspannt angehen. Und weil es so entspannt war, haben wir den Besuchern eine ganze Menge spontanes Programm geboten.

Schön war auch, dass die Gruppe gut funktioniert hat. In allen Situationen, auch den kritischen. So war Waxenberg trotz der teilweise dramatischen Ereignisse ein sehr schöner Markt, der uns allen gefallen hat. Und alle, die dabei waren, möchten in zwei Jahren wieder hin. Was kein Problem sein dürfte. David von Draconis Cognatio meinte: "Euer Platz ist schon reserviert."


René Schwab, 25.8.2017


Weiterführende Links

Draconis Cognatio
Das Video von Mühlviertel-TV

 

Borte (Seitenabschluß)