Burgfest in Burghausen 2007

6.7. - 8.7.2007

Das Burgfest von Burghausen, das vom 6. - 8. Juli abgehalten wurde, bot dem Liebhaber historischer Feste eine ganze Menge: Perfektes Wetter, Ambiente, freundliche Stimmung, einen riesigen Markt, tolles Lagerleben und unüberschaubare Besuchermassen.

Die Kernburg in BurghausenDie Burganlage, die Burghausen ihren Namen gibt, lässt sich sehr kurz beschreiben: Einmalig! Ein selten schöner Rahmen für ein historisches Fest. Die über einen Kilometer lange Anlage, ist auch heute noch zum größten Teil bewohnt und entsprechend gepflegt. Wunderschöne Gärten und gepflegte Wege sind das sogenannte i-Tüpfelchen für dem Gesamteindruck.

Wenn man dann die erste Begeisterung etwas unter Kontrolle hatte, wurde einem als Freund der Mittelalterszene bewusst, dass es sich bei diesem Event um ein Renaissancefest handelt. Renaissancegewänder und entsprechende Gruppen beherrschten das Bild. Anerkennendes Nicken angesichts der Gewandung (wenn auch zeitlich zu früh angesetzt) bekam man trotzdem.

Der Veranstalter, Herzogstadt Burghausen e.V., gab sich große Mühe, für einen angemessenen Rahmen zu sorgen. Die Marktstände waren durchwegs aus Holz und Leinen, sogar die Eismaschine des Softeisverkäufers wurde in ein entsprechendes Gewand gesteckt. Die ausgesprochen ordentlichen und sauberen Toilettencontainer waren mit hohen Zäunen effektiv den Blicken entzogen.

Das Programm war vielseitig und auf dem langgezogenen Burggelände verstreut angeordnet. Weil es so viel zu sehen gab, waren wir zu den fix angesetzten Konzerten immer irgendwo anders unterwegs und haben höchstens im Vorbeigehen mitgehört. Das Niveau war, soweit wir das sagen können, recht hoch, auch wenn wir uns gerade in diesem Rahmen nicht ausgerechnet Mittelalter-Metal gewünscht hätten. Aber es gab auch genug Gaukler und Musiker, die als Walking Acts unterwegs waren und diese waren durchwegs hörens- und sehenswert. Besonders schön: das anwesende Vokalensemble, das immer wieder Madrigale und andere Renaissancemusik bot, sowie Schandmaul Arnulf, mit dem wir auch eine angenehme Stunde beim Musikinstrumenteausprobieren verbracht haben.

Bei den Händlern fand sich die übliche Mischung aus Ramsch, Spielzeug, Kunsthandwerk und Reenactmentausstattung. Dass gerade der letzte Punkt gut vertreten war, hat uns eine ganze Menge Geld gekostet und einige neue Freunde eingebracht. Die meisten der Händler kamen aus Deutschland, einige auch aus Ungarn oder Russland. Erstaunt hat uns, dass man trotz gut vertretener Gastronomie kaum zeitgemäßes Essen probieren konnte und dass - von wenigen Ausnahmen abgesehen - Papp- und Plastikgeschirr im Einsatz war. Schade.

Eines der schönen Lager beim Burghausener BurgfestSehr detailliert und liebevoll gestaltet präsentierten sich auch die vielen verschiedenen Lager. Im Zentrum stand natürlich auch hier die Renaissance. Die Lager waren über das gesamte Burggelände und sogar noch außerhalb der Burg verteilt, wobei die aufwändigen Renaissancelager des Vereins Herzogstadt Burghausen die Plätze in der Mitte der Burg einnahmen. Auch hier wurde auf hohe Qualität geachtet, soweit wir Mittelaltermenschen das beurteilen konnten.

Besonders beachtenswert: das Lager der 'Fröschlbauern' - einer Gruppe, die sich der Erhaltung bäuerlicher Arbeitsweisen gewidmet hat. Eine recht große Gruppe in der alle Altersgruppen vertreten waren, zeigte vom Dreschen, über Kräuter trocknen bis hin zum Kochen alles, was auf einem Bauernhof so vor sich gegangen sein könnte. Auch mittelalterliche Gruppen waren vertreten, wenn man die auch - des Bildes wegen - etwas am Rand untergebracht hatte. Deutlich war, dass wohl alle ihren Spaß an dem großen Markt und den vielfältigen Lagern hatten.

Ein kleiner Wermutstropfen waren vielleicht die kaum noch überschaubaren Menschenmassen. Man wünscht jedem Markt hohe Besucherzahlen, doch in Burghausen war das Gedränge zeitweise kaum noch auszuhalten. Wenn man das ganze Wochenende in Burghausen ist, kann man dem Trubel gut entgehen - etwa indem man den Markt eher Freitag Nachmittag und/oder Samstag Mittag besucht und die restliche Zeit in einer ruhigeren Ecke kühle Getränke genießt und die Leute an sich vorbeiziehen lässt.

Besonders erwähnenswert sind bei diesem Fest auch die Eintrittspreise. 3 EU für den Freitag, je 8 EU für Samstag und Sonntag und - für Liebhaber wie uns besonders günstig - ein 10-EU-Kombiticket für das gesamte Wochenende. Inkludiert waren hier sämtliche Veranstaltungen im Rahmen des Festes, die Busfahrt vom Stadtplatz von Burghausen zur Burg hinauf und der Eintritt in das Stadtmuseum, das in der Hauptburg untergebracht ist. Bei einem Fest dieser Größe und Qualität hat es nicht einmal weh getan, dass es für Gewandete keine Ermäßigung gab.

Alles in Allem war es ein bemerkenswerter Mittelaltermarkt, der kaum Wünsche offen ließ.

Christa Schwab

 

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