Die erste ZEITreise auf Burg Piberstein

13.5. - 16.5.2013

Wir haben bisher mit allen Veranstaltungen, die Tobias Hundertpfund organisiert hat, nur ausgesprochen gute Erfahrungen gemacht. Daher war es für uns selbstverständlich, dass wir ihn auch bei seinem Projekt ZEITreise unterstützen, als er mit einer entsprechenden Bitte an uns herantrat. Für seine erste ZEITreise benötigte er noch Schwertkampf-Lehrer, die seine Gäste in die Grundlagen dieser Kampfkunst einführen, und so starteten Johannes und ich am Mittwoch, den 15.5. Richtung Burg Piberstein.


Die Idee der ZEITreise

Bei seinen ZEITreisen auf Burg Piberstein bietet Tobias Interessierten an, für mehrere Tage ins Mittelalter 'abzutauchen'. Die Teilnehmer verbringen mehrere Tage auf der Burg und lernen dort die verschiedensten Facetten des mittelalterlichen Lebens kennen.

Das beginnt mit ganz alltäglichen Arbeiten wie dem Feuermachen am Morgen (ohne Feuer kein Frühstück!), geht über die Versorgung der Tiere der Burg (Gaststar: Ziegenbock Bockie) und das Backen von Brot und reicht bis zu handwerklichen Arbeiten wie dem Rücken von Holz mit einem Pferd oder dem Bauen einer Bank allein mit den damals verfügbaren Werkzeugen.

Und ein Programmpunkt soll eben auch eine Einführung in den Schwertkampf sein, für die Tobias sich an uns gewandt hat.

Die Teilnehmer schlüpfen dabei zwar nicht in eine andere Haut, aber in ein anderes Gewand. Denn natürlich sind alle mittelalterlich gekleidet. Wer keine eigene Ausrüstung hat, kann sich welche für diese Zeit leihen. Moderne Gegenstände wie Handy, Laptop oder Uhren sind unerwünscht, einziges Zugeständnis sind Kameras. Die Möglichkeit von Erinnerungsfotos möchte man niemandem nehmen.


Vorbereitungen

So einen Auftrag übernimmt man natürlich nicht ohne Vorbereitung.

In unseren beiden Trainings vor dem Termin in Piberstein haben wir unser Programm zusammengestellt und den Zeitablauf durchgespielt. Wir haben uns überlegt, was wir den Teilnehmern beibringen möchten, was wir streichen, wenn das Training länger dauert als von uns geplant, was wir als Bonus dazu nehmen, wenn es schneller geht.

Die im Freien gelegene Kochstelle
Die im Freien gelegene Kochstelle. Die großen Fenster im Gebäude hinten gehören zum Festsaal.
Burg Piberstein - eine der Schlafkammern
Eine der Schlafkammern für die Gäste der ZEITreise.

Und wir haben versucht, möglichst viel Ausrüstung (als Ausstattung für die Teilnehmer und als Ausstellungsstücke) mitzunehmen. Daher haben wir uns vom restlichen Verein noch Material ausgeliehen. Tatsächlich konnten wir auf diese Weise alle Teilnehmer aus unseren eigenen Beständen ausrüsten, auch wenn wir Tobias dies vorher nicht zugesagt hatten.


Wunderschönes Ambiente

Burg Piberstein ist definitiv der geeignete Rahmen für einen derartigen Mittelalter-Urlaub. Eine schöne weitläufige Burganlage mit teilweise sehr liebevoll restaurierten Räumen. Mir hatte es der Festsaal und eine der Schlafstuben besonders angetan. Vielleicht schaffen wir es ja, eine unserer eigenen Veranstaltungen in diesem Festsaal abzuhalten.

Die Einrichtung für die Gäste ist sehr authentisch. Gekocht wird auf offenem Feuer, entweder im Kamin der Küche oder auf der offenen Feuerstelle vor der Burg, geschlafen wird auf Strohsäcken (auch die Betten in den edleren Zimmern haben Strohsäcke als Matratzen), als Beleuchtung gibt es nur Kerzen, Öllampen und Fackeln.

Einziges Zugeständnis an die Gegenwart sind zeitgemäße Toiletten. Einen alten Aborterker gibt es zwar noch - sogar funktionstüchtig - aber der wird dann doch nicht mehr benutzt.


Freundliche Aufnahme

Gemeinsames Mittagessen im Festsaal von Burg Piberstein.
Gemeinsames Mittagessen im Festsaal von Burg Piberstein.

Tobias hatte uns zum gemeinsamen Mittagessen mit den Teilnehmern eingeladen. Wir hatten also etwas Gelegenheit, mit den Leuten zu reden. Zu dieser ersten Veranstaltung hatte Tobias Journalisten eingeladen. Teilgenommen haben Reporter vom Magazin 'Die Oberösterreicherin' und von den Tageszeitungen 'Kleine Zeitung' (Graz), 'OÖ Nachrichten' (Linz), 'heute' und - wirklich erstaunlich - der 'Frankfurter Allgemeinen Zeitung', eine der größten deutschen Tageszeitungen.

Es gab Biersuppe, gekocht von Köchin Tine von den Draconis Cognatio. Ein sehr stimmiges Essen, auch wenn ich zugeben muss, dass mir persönlich der Geschmack dieser Suppe etwas zu bitter ist. Den anderen Gästen scheint es aber geschmeckt zu haben.


Der Schwertkampfunterricht

An unserem Unterricht im Schwertkampf haben sechs Personen teilgenommen, fünf Frauen, ein Mann.

Unser Unterricht ging fast über fast 3 Stunden. Den Anfang machten zwei Stunden Kampftraining. Anschließend durften die Teilnehmer dann Rüstungen anziehen und probieren, wie man sich darin fühlt. Die komplette Rüstung hat aber nur Daniel von den OÖ-Nachrichten angezogen, die restlichen haben sich auf wattierte Haube und Kettenhaube beschränkt. Den Abschluss hat ein freier Schwertkampf zwischen Johannes und mir gebildet. Erst Schwert gegen Schwert, dann klassisch Schwert-Schild gegen Schwert-Schild und zum Schluss noch Schwert-Schild gegen Speer.

Zwei Teilnehmer der ZEITreise beim Schwertkampftraining.
Zwei Teilnehmer der ZEITreise beim Schwertkampftraining.
((c) Fotografin Uschi Oswald)

Wir haben den Teilnehmern die Grundschläge mit dem Langschwert beigebracht. Die fixe Sequenz dieser sogenannten Rautenschläge konnten am Ende des Trainings alle flüssig ausführen, ein Pärchen war sogar so weit, dass es Schläge in freier Reihenfolge setzen und abwehren konnte. Unser Unterrichtsziel haben wir also voll erreicht. Und wir waren sehr zufrieden mit unseren Schülern. Wir wissen aus eigener Erfahrung, wie lang es dauert, sich mit einem Schwert vertraut zu machen und den Umgang mit ihm zu lernen.

Etwas ungewohnt waren die vielen Fotopausen. Irgendjemand war eigentlich immer am Fotografieren. Ich bin sehr gespannt, wo überall von uns dann Fotos auftauchen werden...


Sonstiges Programm

Der Schwerpunkt dieses Tages lag bei den kämpferischen Seiten des Mittelalters. Am Vormittag hatten die Teilnehmer die Möglichkeiten, sich mit dem Bogenschießen vertraut zu machen.

Frische Tauben für das Festessen am Abend
Frische Tauben für das Festessen am Abend.

Der späte Nachmittag und der Abend waren dann Ereignissen gewidmet, die für einen mittelalterlichen Menschen zu den Highlights des Lebens gehörten: Nach unserem Training kam ein Fahrender Händler auf die Burg (Vehi Mercatus, bei denen auch wir einen Teil unserer Ausrüstung gekauft haben), und am Abend dieses Tages sollte es noch ein großes Festmahl geben, zu dem extra Spielleute auf die Burg kamen.

Sogar der Badezuber, den Tobias auf der Burg hat aufstellen lassen, wurde angeheizt, und so weit ich weiß, haben zumindest zwei der Teilnehmer den Zuber auch tatsächlich genutzt. Tobias hat auch uns angeboten, in den Zuber zu steigen. Wir haben darauf aber verzichtet. Wer auf einem Markt zubert, weiß, worauf er sich einlässt. Seinen Gästen, die das so sicher nicht gewohnt sind, wollten wir aber nicht zumuten, sich nackt mit zwei fremden Männern in einen Zuber setzen zu müssen.


Fazit

Johannes und mir hat dieser Tag auf Burg Piberstein sehr gut gefallen. Es war eine sehr schöne, entspannte Atmosphäre.

Und auch das Training selbst war für uns eine sehr positive Erfahrung. Es war sehr schön, mit den durchwegs interessierten Teilnehmern zu arbeiten, und für uns war es natürlich befriedigend, zu sehen, dass wir ihnen am Ende auch etwas beigebracht haben.

Wir hoffen, dass Tobias mit seiner ZEITreise Erfolg haben wiird, und wir freuen uns schon auf das nächste Mal.


René Schwab, 21.5.2013


Weiterführende Links

Die ZEITreise bei Zeitenwanderer
Unsere Fotogalerie


Bildnachweis

Das Bild vom Training wurde uns freundlicherweise von der Fotografin Uschi Oswald zur Verfüfung gestellt.

 

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