Färbetage bei Sectio Artificerum

27.5. - 28.5.2016

Am Freitag, den 27. und Samstag den 28.Mai haben wir an den zweiten Färbetagen teilgenommen, die von Sectio Artificerum veranstaltet wurden.

Im letzten Jahr haben wir ein wenig herumprobiert. Die Färbemittel waren das, was Haus und Garten hergegeben hat - grüne Walnüsse, Zwiebelschalen, Henna, etc.

In diesem Jahr haben wir uns vorgenommen, etwas genauer in die Materie hinein zu schnuppern. Es wurden ausgiebiger Bücher gelesen und auch 'ordentliche' Färbepflanzen besorgt.

Die genauen, technischen Angaben und alle Bilder der Ergebnisse könnt ihr, wie auch beim letzten Mal, bei Sectio Artificerum nachlesen. Ich möchte mich hier nur auf meinen persönlichen Blickwinkel beschränken. Und wow, war das was zum dazu lernen!

Ich habe mich bisher mit Pflanzenfarben nur soweit beschäftigt, dass ich weiß, was ungefähr zu unserer Zeit da war und daher für die Kleidung machbar. Und ich war immer schon begeistert von der Wandlungsfähigkeit der Pflanzenfarben. Krappfärbung ist nicht gleich Krappfärbung, zum Beispiel. Dieselbe Pflanze färbt ein sanftes Altrosa ebenso wie ein tiefes Blutrot, ein warmes Ziegelfarben und ein leuchtendes Kupfer. Alles abhängig von vielen, vielen Einzelfaktoren wie Wärme, Beize, Einwirkzeit, Wasserhärte, etc. pp.

Und auch die fertige Farbe ist alles andere als statisch. Je nach Lichteinfall können sich pflanzengefärbte Stoffe um ganze Farbnuancen verändern. Was in dem einen Licht ein knalliges Sonnengelb ist, wird im nächsten Schatten zu einem Ocker-Gold.

Nun also die ersten, eigenen Färbeversuche mit 'professionellen' Färbepflanzen. Wir haben Versuche mit Krapp und Goldrute gemacht, außerdem auch noch einmal mit Zwiebelschale, weil das im letzten Jahr so schön geworden ist.

Ein Teil meines Versuchs war auch ein Stück Seide, das nach dem Färben recht rau geworden ist. Nun sind Seidenfäden ja tierische Fasern, also ähnlich wie menschliches Haar. Und durch das Beizen wird die Faser aufgeschlossen, die Haarschüppchen werden also geöffnet, damit die Farbe besser eindringen kann und dann auch besser hält – genau das, was beim Färben auch bei menschlichen Haaren passiert (wobei da das 'Beizen' und Färben in einem geht).

Also hab ich eine normale Hair-Repair-Kur verwendet, das Stück Seide darin eine viertel Stunde eingeweicht und dann gründlich ausgespült. Und siehe da: die Seide ist so glatt und fein wie vorher.

Damit blieb aber die Frage: wie hat man das früher gemacht, so ganz ohne Repair-Kur? Und was ist überhaupt passiert, dass die Seide gar so rau geworden ist? Habe ich was falsch gemacht? Zu viel Beize? Oder gibt es tatsächlich eine passende Nachbehandlung?

Für diese Frage habe ich mich an eine Gruppe auf Facebook gewandt, die sich mit dem Färben mit Pflanzen beschäftigt. Die Antwort: die Beize war OK, nur war der gesamte Ablauf für die Seide zu heiß. Ich habe den Tipp bekommen das nächste Mal sowohl kalt zu beizen als auch kalt zu färben. Also in der abgekühlten Beizflüssigkeit bzw. in der kalten Färbeflotte. Was gelernt!

Mit Krapp gefärbte Wollstränge.
Mit Krapp gefärbte Wolle. Ist das nicht ein rotes Rot?
(c) Vanessa Smid 2016

Was habe ich noch gelernt? Krapp FÄRBT unglaublich, schon nach der einen Nacht, die wir die getrockneten Wurzelstückchen eingeweicht haben. Ich bin ein bisschen traurig, dass ich die kalte Flotte nicht doch aufgehoben und mit nach Hause genommen habe. Wahrscheinlich könnte man da noch einiges draus machen (zum Beispiel meine Seide noch einmal nachfärben ...). Goldrute dagegen färbt tatsächlich erst nach dem Kochen. Dann aber ganz unerwartet schön. (Mehr zu beidem bei Sectio Artificerum)

Abgesehen von der Arbeit mit den Färbepflanzen hat mich auch interessiert, wie viel Einfluss das Beizen eigentlich auf das Färbeergebnis hat. Man liest überall, dass das Beizen notwendig ist, aber ich wollte mich selber überzeugen. Also habe ich noch ungebeizte Skuddenwolle mit in den Farbtopf geworfen - die deutlich, SEHR deutlich weniger Farbe angenommen hat als jede anderer Art von Wolle (kardierte Wolle, Garn und Stoff), die wir mitgefärbt haben.

Zuhause habe ich die krappgefärbte Wolle dann gekämmt und ein Stückchen davon versponnen. Eine schöne Farbe ist es trotzdem - ein hübscher Kupfer-Ziegel-Ton.

Was sonst noch? Achja: Größere Stoffstücke brauchen Platz und Bewegung. Sonst wird das nichts. Auch wenn man denkt, die Größe des Topfes reicht. Tut sie nicht. Ein richtig, RICHTIG großer Topf ist da nötig.

Außerdem: Dünne Seide sollte wohl zwischendurch rausgenommen und mal ganz aufgebreitet werden. Der feine Stoff klebt schnell in Falten an sich selbst, selbst wenn man noch so gut umrührt.

Ich bin aber trotzdem auch mit unseren Färbungen ganz glücklich. Für einen ersten Versuch ist es nicht schlecht.

Es war auf jeden Fall wieder spannend und lustig und gemütlich. Vielen Dank dafür an Sectio Artificerum!


Christa Schwab, 9.6.2016


Weiterführende Links

Bericht zum Wochenende von Sectio Artificerum

 

 

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