Besuch in der Robinsonschule Linz-Urfahr (VS 49)

23.4.2015

Nach längerer Pause besuchten wir am 23.4. wieder eine Schule, um dort etwas über das Mittelalter zu erzählen. Unser Ziel war die Robinson-Schule (Volksschule 49) in Linz-Urfahr. Für Johannes war das der erste Schulbesuch und auch das erste Mal, dass er vor einem Publikum einen Vortrag hielt.


Nur ein Helm oder ein Schwert ...

Die ursprüngliche Anfrage der Schule war, ob man sich bei uns für den Unterricht einige Anschauungs-stücke ausleihen könnte.

Spontan und unabhängig voneinander fanden Johannes, Michael und ich, dass ein Besuch der Schule und eine Vorführung dort für die Kinder eigentlich viel interessanter wäre.

Beinahe wären wir also zu dritt hingefahren. Leider konnte sich Michael zu dem Termin dann doch nicht freinehmen. So blieben Johannes und ich, die sich am Donnerstag Morgen auf den Weg in die Robinson-Schule machten.

Die Gruppe, die wir besuchten, bestand aus Schülerinnen und Schülern zweier Klassen. Eine dritte Klasse, die das Mittelalter seit einigen Wochen im Unterricht durchgenommen hatte, und eine zweite Klasse, die zuschauen durfte, weil sie in der Zeit Turnunterricht gehabt hätte. Zusammen waren das etwa 40 Kinder. Eingeplant war für unseren Besuch eine Schulstunde mit 50 Minuten.


Inhalte

Thematisch haben wir versucht, möglichst viel über das Alltagsleben zu erählen. Das entsprach auch dem Wunsch der Lehrer. Was wir weitestgehend außen vor gelassen haben, war die Darstellung von zeitlichen Entwicklungen und Veränderungen. Wir haben nach Möglicheit nur Dinge erwähnt, die allgemeingültig waren. Wir hatten Angst, mit ständigen Einschränkungen wie 'im 12. Jahrhundert', 'im 13. Jahrhundert', '100 Jahre später' würden wir die Kinder überfordern. In der Nachbesprechung mit den Lehrern meinten die dann aber, dass wir da zu vorsichtig gewesen sind.

Der Vortrag in der Turnhalle
Man sieht schön, wie gespannt die Kinder unseren Gescchichten lauschen.

Wie gesagt, Thema war das Alltagsleben. Wir waren als 'Ritter' vorgestellt worden. So ging es zunächst um die Frage, was ein Ritter macht, wenn er nicht kämpft. Es kamen eine ganze Menge Antworten, an denen man sah, dass sich die Kinder bereits mit dem Thema auseinander gesetzt hatten.

Ein weiteres Thema war, was es zu essen gab und wie gegessen wurde. Dabei wussten die Schüler über die Speisen schon recht gut Bescheid. Nur bei Schokolade irrten sie sich. Wir mussten ihnen leider sagen, dass es die doch noch nicht gab. Als Anschauungsstück hatte ich mein Essbesteck dabei - Messer und Löffel. Die fehlende Gabel führte dann zum Benehmen bei Tisch und zu Benimmregeln.

Bei der Frage, welche Aufgaben Frauen damals hatten, haben wir als Beispiel das Herstellen und Verzieren von Kleidung herausgegriffen. Das Verspinnen von Wolle war eine Beschäftigung, die Mädchen im Alter der Schülerinnen bereits gekonnt hätten. Als Schaustücke hatten wir Wolle, Spindeln und Stickgarne dabei.

Und natürlich ging es auch um Waffen und Rüstungen. Das ist nun einmal das Bekannteste aus dem Mittelalter und das wollten die Kinder natürlich auch sehen. Hier kamen wir dann nicht drumrum, auf die zeitliche Entwicklung einzugehen. Die Kinder waren am Tag davor im Schlossmuseum gewesen und hatten dort Plattenrüstungen gesehen. So kam die Frage auf, warum wir nur Kettenhemden dabei hatten.

Als Abschluss eine kurze Kampfvorführung
Als Abschluss eine kurze Kampfvorführung.

Den Abschluss machte dann eine kurze Schaukampfvorführung. Weil: Ritter und ihre Waffen zeigen und dann keinen Kampf, das geht selbstverständlich nicht.


Ablauf

Um genügend Zeit für den Aufbau und die Vorbereitungen zu haben, waren wir bereits um 7:30 an der Schule. Die Begrüßung durch Frau Sitter, die diesen Besuch organisierte, und die Klassenlehrerin Frau Danninger war sehr herzlich. Und so ganz haben sie wohl auch erst in diesem Moment daran geglaubt, dass sie statt eines Helms und eines Schwerts zwei komplette Ritter und einen Kofferraum voll Schaustücke bekommen.

Um 8:00 Uhr ging es dann in der Turnhalle pünktlich mit unserer Schulstunde los. Natürlich reichten die veranschlagten 50 Minuten bei Weitem nicht. Die Zeit war viel zu schnell vorbei und als wir schließlich unsere Kampfeinlage beendet hatten, war es bereits viertel nach neun. Da das sowohl wir als auch die Klassenlehrerin hatten kommen sehen, hatte sie die Turnhalle vorsorglich gleich zwei Stunden für uns reserviert.

Dass wir so viel überzogen haben, lag auch daran, dass die Arbeit mit den Kindern wirklich Spaß gemacht hat. Sie waren wissbegierig und die meiste Zeit auch sehr brav. Ein paar Mal mussten wir sie etwas einbremsen, weil sie eigene Geschichten erzählen wollten, aber sie waren immer bei der Sache. Zeit hat auch das Anschauen und Anprobieren gekostet. Bei 40 Kindern dauert es einfach, bis alle eine Kettenhaube oder einen Helm aufgesetzt haben.

Für uns sehr schön war, dass wir auch den Lehrern Aspekte des Mittelalters zeigen konnten, die sie so bisher nicht kannten. So waren alle überrascht davon, wie farbenprächtig die Kleidung damals war. Etwas erschreckend war für uns, welcher Blödsinn zum Teil immer noch in den Unterrichtsmaterialien stehen. So kam, als ich meine Rüstung anzog, wieder die Aussage auf, dass ein Ritter mit einem Flaschenzug auf Pferd gesetzt werden musste...

Die Rittertafel
Die Rittertafel. Im Vordergrund eines der im Text erwähnten Lebkuchenwappen.

Überraschend lud uns Frau Danninger dann noch ein, die Kinder im Klassenzimmer zu besuchen. Sie hatten dort eine 'Rittertafel' aufgebaut. Eines der Kinder hatte Geburtstag, und so gab es an diesem Tag eine Geburtstagstorte, Obst und Saft.

Dort zeigte sich, dass unser Unterricht schon Früchte getragen hatte. Angesteckt von den mittelalterlichen Tischsitten bestanden die Kinder darauf, die Torte mit den Fingern zu essen. Und einige der Burschen bedienten tatsächlich nach höfischer Art die Mädchen am Tisch und brachten ihnen das Essen.

Auch im Klassenzimmer ging es mit Fragen und Erklärungen weiter. Wir wurden von den Kindern regelrecht belagert, die alles mögliche wissen oder uns zeigen wollten.

Und zum Schluss wurden wir dann noch zu richtigen Stars. Zum ersten Mal bei einer Vorführung mussten (oder durften) wir Autogramme geben :-) Wir glauben ja nicht, dass eines dieser Autogramme länger als ein paar Tage überlebt hat, aber es zeigt, mit welcher Begeisterung die Kinder dabei waren. Und das ist das Wichtigste.


Erschöpft aber zufrieden

Nach den fast drei Stunden waren wir beide ziemlich erschöpft. Unser Respekt vor den Lehrern, die den ganzen Tag dieser Belastung ausgesetzt sind, ständig präsent und konzentriert sein müssen, ist wieder gewaltig gestiegen.

Aber wir waren mit dem Ergebnis auch sehr zufrieden. Den Kindern hat es Spaß gemacht, und von den beteiligten Lehrern gab es nur positive Rückmeldungen. Und wir hatten das Gefühl, dass die Kinder bei uns wirklich etwas gelernt haben. Vielleicht bewirkt unser Besuch dort ja auch, dass sich ein paar der Kinder in Zukunft intensiver mit Geschichte beschäftigen.

Bedanken möchten wir uns an dieser Stelle noch einmal für die lieben Geschenke, die wir zum Abschied bekommen haben. Lebkuchenwappen (gegessen, bevor wir ein Foto davon machen konnten) und einen groooooßen Berg Schokolade.


Fazit

So weit wir das beurteilen können, ist die Veranstaltung bei allen Beteiligten ausgesprochen positiv angekommen. Und wir haben auch eine Menge dabei gelernt.

Es kann gut sein, dass wir nächstes Jahr wieder in der Robinson-Schule zu Gast sind. Einige Klassenlehrer und -lehrerinnen, die nächstes Jahr mit ihren Schülern das Mittelalter durchnehmen, haben schon Interesse an einem Besuch bekundet.

Wir würden uns darüber freuen!


René Schwab, 11.5.2015

 

Borte (Seitenabschluß)