Führung durch das Stift St. Florian

30.12.2011


Rückblick

30.12.2011 – das Jahr neigt sich dem Ende zu. All die schönen Erlebnisse und Begegnungen lasse ich Revue passieren. Der Stress im Beruf ist vorbei, die Harmonie in der Familie könnte kaum besser sein, die Arbeit am Hobby wie immer in voller Planung. Jetzt kann das neue Jahr kommen!

Doch nein, so einfach kommt mir das alte Jahr nicht davon! Ein Highlight fordere ich noch ein! Und ermöglicht hat das Ganze Andrea Koppel von Furor Celticus. Sie hatte die Idee, am vorletzten Tag des Jahres noch eine Führung im Stift St. Florian zu organisieren.

Ich hatte schon viel von dieser imposanten Anlage gehört, aber noch nicht den Weg hinein gefunden und mit Andrea und ihrer langjährigen St.Florian-Tour-Erfahrung konnte es nur ein Erlebnis werden.

Also – was soll ich jetzt sagen: Ich war dabei!!!


Empfang im Stift St. Florian

Etwa zwanzig Personen nahmen an der von Andrea organisierten Führung teil. Treffpunkt war 13 Uhr beim Stiftsportier. Hier wurden wir schon von Franz Mettauer, seiner Bockspfeife und winterlich-weihnachtlichen Weisen empfangen. Was für ein gelungener Auftakt!

Fast pünktlich (ein paar Minuten Verspätung sind absolut in Ordnung) brachen wir auf.

Der erste Raum, den wir besichtigen konnten, war schon mein persönliches Highlight:


Die Bibliothek

Die Bibliothek im Stift St. Florian.
Die Bibliothek...
Der Marmorsaal im Stift St. Florian.
...und der Marmorsaal.

Ca. 140.000 Bücher, darunter hunderte Handschriften, sind in dem barocken Prunkstück untergebracht. Wunderschöne Intarsienarbeiten und Schnitzereien gab es zu bewundern und von der Decke schauten die personifizierte Wissenschaft und die Tugend auf uns herab, deren Vermählung auf einem wundervollen Fresko von Bartolomeo Altomonte festgehalten wurde. Ein passendes Werk für diese Hallen! Der Raum verbreitete Erhabenheit, Wissen und Magie – es fiel mir nicht leicht, mich los zu lösen, um das nächste architektonische Meisterwerk zu besichtigen:


Der Marmorsaal

Er gilt als einer der schönsten Saalbauten des Barocks und trägt die Handschrift Jacob Prandtauers, dessen Schaffen weit über Österreichs Grenzen hinaus bekannt ist. Schwere Marmorpodeste tragen meterhohe Säulen, mit wundervollen Farbenspiel versehen, welches nur durch Stukkatur-Marmor erreicht werden kann. Die architektonische sowie die künstlerische Gestaltung weisen auf die Zeit der Türkenkriege hin. Auch hier finden wir ein Fresko von Altomonte, auf dem Karl VI. als Sieger über die Türken dargestellt wurde.

Weiter führte unser Weg in eine


Galerie, dem hl. Florian gewidmet,

mit gut erhaltenen Holzstatuen aus dem 16. Jahrhundert, mit Statuen aus Alabaster, Reliefdarstellungen, Gussformen, Schnitzereien und anderen Darstellungen des Heiligen.

Vielleicht sollte ich jetzt doch einmal ein paar Zeilen zum Namensgeber des Stifts verlieren:


Die Legende

Einer Überlieferung aus dem 8. Jahrhundert zufolge hatte Florian gegen Ende des 3. Jh. n. Chr. eine Stelle als Amtsvorsteher in Lauriacum, dem heutigen Lorch, inne, konvertierte später zum Christentum. Im Zuge der Christenverfolgung wollte er seinen gefangenen und gemarterten Glaubensgenossen gegen seinen früheren Dienstherrn beistehen. Dieser ließ ihn jedoch ebenfalls einsperren, da Florian dem Christentum nicht abschwören wollte.

Er wurde geschlagen und gefoltert, zum Tode verurteilt und schließlich mit einem Stein um dem Hals von einer Brücke in die Enns gestürzt, auf dass er für immer verschwinde!

Er tat das jedoch nicht! Er tauchte wieder auf, wurde von Valeria, einer frommen Frau, gefunden und von ihr an einem geheimen Ort bestattet – jenem Ort, auf dem heute der Stift seinen Platz gefunden hat. Für die Ochsen, die den Leichnam des Florian zu seiner Ruhestätte transportierten und vor Durst völlig ermattet waren, soll auf wunderbare Weise ein Quell entsprungen sein – der noch heute fließende Florianbrunnen.

Aber weiter auf unserer Reise durch die Zeit. Jetzt lenkten wir unser Augenmerk auf die gotische Galerie – Gemälde und Statuen luden zu ausgiebigen Gewandstudien ein – um anschließend zum Prunkstück des Stifts zu kommen:


Den Bildtafeln des Sebastian-Altars von Albrecht Altdorfer

Sie zeigen das Martyrium des heiligen Sebastian auf 4 Bildtafeln und weitere 8 Tafeln des Festtagsaltars mit Szenen des Leidenswegs Christi.

Das Besondere an den um 1500 entstandenen Altarbildern ist die Farbenpracht, vor allem wenn man bedenkt, dass die Bilder bisher noch nie einer Restauration, sondern lediglich einer Säuberung unterzogen wurden. Zu verdanken haben wir diesen bemerkenswerten Zustand der „Verbarockisierung“ der ehemaligen gotischen Stiftskirche, in deren Verlauf der prächtige Altar zwar einem Neuen weichen musste und dabei zerstört wurde, die Bildtafeln jedoch in der Krypta der Kirche verwahrt wurden. Diesem Umstand, dem kühlen, aber trockenen Raumklima und der in dem Gemäuer herrschenden Dunkelheit ist es zu verdanken, dass wir heute noch die Werke in ihrer ursprünglichen Farbenpracht bewundern können.

…...und weiter führte unser Weg in die


Kaiserzimmer

des Stifts – den Räumen, in denen Kaisern, Königen, Erzherzögen und hohen geistlichen Würdenträgern ein angemessener Aufenthalt im Stift geboten wurden.

Den Abschluss dieser imposanten Zimmerflucht bildete das Anton-Bruckner-Zimmer, gewidmet jenem großen Künstler, der in der Zeit von 1845-1855 als Stiftsorganist in St. Florian tätig war. Er war so fasziniert vom Klang der mit weit über 7000 Pfeifen größten Orgel Österreichs, dass er nach seinem Tode im Raum direkt unter ihr bestattet werden wollte. Dieser Wunsch wurde ihm gerne erfüllt.

Und so brachte uns der nächste Abschnitt unseres Weges in die Vergangenheit auch direkt in ebenjene


Gruft,

die seine letzte Ruhestätte sein sollte. Neben anderen einflussreichen Persönlichkeiten ihrer Zeit, welche in den zahlreichen Seitennischen bestattet waren, fanden wir Anton Bruckners prunkvollen Sarg in einer kleinen Halle am Ende der Gruft, unmittelbar vor einer als Beinhaus genutzten Mauernische, in der die Gebeine von rund 6000 Christen geschichtet wurden. Im Laufe der Jahrhunderte wurden sie rund um das Grab des heiligen Florian bestattet und fanden nun in diesem Raum ihre letzte Ruhe.

Den krönenden Abschluss bildete der Blick in die


Krypta der Kirche.

In der Krypta hat der Einfluss des Barock nicht gewütet, hier waren noch Reste gotischer Säulen zu finden, gotische Ornamentik zu entdecken. Der Atem der Geschichte zog durch diese Mauern. In Erinnerung an den Tod des Florian wird hier auch ein Mühlstein aufbewahrt, der im Rahmen von Umbauarbeiten im Stift gefunden wurde. Hier liegen auch die Gebeine der Valeria, ebenjener Frau, die den Leichnam des Heiligen sicher vor seinen Henkern verbarg.

Nach mehr als drei Stunden Führung durch die Vergangenheit ( veranschlagt waren 90 Minuten) standen wir durchfroren, aber zufrieden wieder unter freiem Himmel.

Ein kurzer Abstecher in den Stiftskeller rundete den gelungenen Nachmittag und damit auch das gesamte Jahr 2011 ab.


Danksagung

Mein besonderes Dankeschön gilt an dieser Stelle Andrea Koppel ….

…..für die Idee, die Umsetzung, ihr umfangreiches Wissen und die Gelegenheit, uns alle daran teilhaben zu lassen. Möge dein Redefluss nie versiegen!

Nun bleibt mir nur noch, euch allen einen guten Rutsch und ein glückliches, gesundes und erfolgreiches Jahr 2012 zu wünschen. Ich freue mich schon, euch allen im nächsten Jahr mal wieder über den Weg zu laufen!

Eure Antje


Antje Etzold, 31.12.2011


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