Der '2. Linzer Bürgerschmaus' der Burgaere Lintze

11.2.2012


Ernsthafte Sorgen

Können wir womöglich gar nicht hin? DAS war die erste, fast schon entsetzte Reaktion von René und mir als Sandra uns den Termin bekannt gegeben hat. Es hat zu dem Zeitpunkt nämlich so ausgesehen als hätten wir den Tag schon verplant.

Der erste Bürgerschmaus hat uns wirklich ausgesprochen gut gefallen und wir wollten uns die Neuauflage auf keinen Fall entgehen lassen.

Wir hatten zwar den Trost, dass Via Nostra trotzdem gut vertreten sein würde, aber das war angesichts der angekündigten kulinarischen Überraschungen wirklich nur ein ganz kleiner Trost.

"Allerlei Gebackenes" hat Christoph uns bei unserem Weihnachts/Neujahrs/Einfach-mal-Feiern-Essen Mitte Jänner angekündigt, wollte aber noch keine Details verraten.


Grundlose Sorgen

Zum Glück konnten wir den Termin dann doch zusagen und so war der Verein dann mit ganzen sieben Leuten wirklich gut vertreten. Michael, Antje, Bianca, Christian, Valentin, René und ich – das war das letztliche, sehr respektable Aufgebot. Alle in der, in der Einladung gewünschten, "Abendrobe unserer Epoche".

Wieder haben sich die Linzer Bürger zum Ziel gesetzt, authentisches, mittelalterliches Essen zu präsentieren. Die Rezepte stammten diesmal aus dem "Buoch von guoter Spise" auch "Würzburger Kochbuch" genannt, entstanden Ende des 14. Jahrhunderts.


Fürstliches Menü

Wie schon der erste Bürgerschmauus fand auch der zweite beim Schlagerwirt statt, einem historischen Gasthof in Feldkirchen a. d. Donau, dessen Ursprünge bis ins 15. Jahrhundert zurück reichen.

Im Zuge der Vorbereitungen hat ein kleines Missverständnis in der Auswahl der Speisen für ein besonderes Erlebnis für uns gesorgt. Sandra hatte der sehr interessierten Köchin und Wirtin des Schlagerwirts, Frau Berger, einige Rezepte geschickt, von denen sie sich etwas Passendes für ein Menü auswählen sollte. Frau Berger hat mit größtem Engagement alle Rezepte nachgekocht!

Zu dritt sind sie und ihre Helfer stundenlang für uns in der Küche gestanden. Dafür gabs dann auch einmal vor und einmal nach dem Essen einen euphorischen und sehr ernst gemeinten Applaus. Nur, dass man an den Tischen nicht so einfach aufstehen konnte, hat stehende Ovationen verhindert.

So ist für uns sozusagen ein mittelalterliches Tasting-Menue entstanden. Acht verschiedene Gerichte wurden kredenzt! Nach historischem Vorbild wurde dabei – bis auf die Nachspeisen – alles gleichzeitig auf den Tisch gestellt.

Die Speisenauswahl:

  • Fladenbrot aus Roggenmehl, gebraten mit einer Auflage aus Faschiertem und Käse, vervollständigt mit einem Spiegelei (mein persönlicher Favorit)
  • Buchweizen-Strudel mit Fleischfüllung (Dass man Buchweizenteig so dünn hinkriegt …)
  • Fisch-Pastete (Ungewöhnliche aber sehr aromatische Gewürzmischung)
  • Kichererbsen-Auflauf (eine ähnliche Konsistenz wie Polenta – hervorragende Beilage)
  • Lauchcreme (SEHR gut! – Besonders zum Fisch.)
  • Bohnen-Kren-Sauce (Hat die Meinungen an unserem Tisch etwas gespalten – ich fands gut)

Und als süßer Abschluss:

  • Apfelkrapfen (ähnlich wie kleine Bauernkrapfen mit einer Apfelfülle)
  • Süßer Auflauf (am Ehesten mit Scheiterhaufen vergleichbar)


Ein kulinarisches Erlebnis der Spitzenklasse

Wie schon beim ersten Mal hat mich die geschmackliche Bandbreite überrascht. Da war nichts von Einheitsessen oder Langeweile. Die mittelalterliche Küche hat zweifellos ebenso viel zu bieten wie unsere moderne Kochkunst. Die aufwendige Zubereitung ebenso wie der geschickte Einsatz von Gewürzen und die wirklich genialen Kombinationen in Aroma und Texturen lassen keine kulinarischen Wünsche offen.

Interessant war dabei auch der kleine Bericht von Frau Berger, die meinte, dass die Rezepte sehr arbeitsaufwendig wären und sie sehr froh gewesen ist, moderne Küchengeräte zu besitzen. Sonst hätte sie auf jeden Fall noch mehr Leute und mehr Zeit gebraucht.

Mir ist auch bei meinem eigenen Studium mittelalterlicher Rezepte aufgefallen, dass die Zubereitung zum Teil eine MENGE einzelner Arbeitsschritte verlangt. Da wird gekocht, dann das Gekochte noch einmal gebraten und dann in einer Sauce noch geschmort. Bewusste Sauce besteht unter Umständen aus mehreren Komponenten und da wird vorher gemörsert, gekocht, passiert, noch einmal gekocht, mit Ei legiert, noch einmal passiert, etc. bevor überhaupt das Fleisch oder der Fisch in die Sauce kommt.

Andererseits: die genannten Rezepte gehörten zweifellos zur gehobenen Küche und wenn man sich informiert, was für ein Aufwand in heutigen, hochklassigen Restaurants betrieben wird (besonders in der Molekularküche), ist da wieder eine interessante Parallele gefunden. Sowohl Kreativität als auch das Wissen um die handwerklichen Fähigkeiten ist GANZ sicher kein Monopol der heutigen Spitzenköche.

Als Fazit bleibt mir eigentlich nur: Beim nächsten Mal sind wir ganz sicher wieder dabei!

Christa Schwab, 15.2.2012


Weiterführende Links

Schlagerwirt

 

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